Rotgebänderter Wickler – der Buxbaumzünsler bekommt Konkurrenz

Rotgebänderter Wickler © Isabelle van Groeningen

Rotgebänderter Wickler

Vor kurzem erzählte mir jemand, dass der Buxbaumzünsler ihre Ilexpfanzen befallen hätte. Diese Information wurde schnell in den Hinterkopf verbannt, da der Buxbaumzünsler, wie sein Name sagt, nur von Buxbaum lebt (siehe mein Blog vom 19.08.2017). Gestern sah ich was sie meinte. An den Spitzen einer Ilex crenata Kugel waren braune Blätter und Spitzen zu sehen und Blätter zusammen gesponnen, mit feinstem Gewebe, ähnlich wie beim Bux.

Hellbraune Raupe

Ich holte meine kleine Lupe heraus, die ich vor 35 Jahren am ersten Tag meines Studiums am Botanischen Garten von Kew bekommen hatte, um das Ganze zu inspizieren. Mitten in diesem Gespinst, versteckt zwischen zwei jungen Blättern, zappelte eine noch recht kleine Raupe mit hellbräunlichem Körper und dunklerem Kopf. (Der Zünsler im Gegensatz dazu hat einen schwarz-gelb-grün gestreiften Körper und einen schwarzen Kopf). Einerseits war ich erleichtert, dass der Buxbaumzünsler nicht aus Hungersnot seine Diät umgestellt hat, andererseits war ich alarmiert, dass sich der nächste Feind in unseren Gärten ausbreitet.

Ditula angustiorana oder Rotgebänderter Wickler

Zum Glück waren die wunderbaren Mitarbeiter des Pflanzenschutzamtes sehr schnell mit ihrer Antwort und Identifikation. Bei dem neuen Eindringling handelt es sich um den Rotgebänderten Wickler. Im Gegensatz zum Buxbaumzünsler ist er kein Einwanderer. Rotgebänderter Wickler scheint wohl europaweit verbreitet zu sein und ist nicht so wählerisch in seiner Diät. Mehrere Nadelgehölze wie Kiefern, Lärchen, Wacholder und Eibe scheinen ihm zu gefallen, aber auch u. a. Eichen, Mehlbeere, Apfel, Birne, Kirsche und wintergrüne Gehölze wie Kirschlorbeer, Buchs, Rhododendron und verschiedene Kräuter.

Die gute Nachricht ist, dass im Gegensatz zum Buxbaumzünsler, der mehrere Generationen in einem Jahr produziert, der Rotgebänderte Wickler nur eine pro Jahr schafft. Die bräunlichen Falter bekommen eine Spannweite von 14 bis 18 mm und sind nachtaktiv (obwohl die Männchen auch mal bei Tageslicht fliegen). Sie legen hellgelbe, flache, fast runde Eier und im Spätsommer werden die Raupen aktiv und fressen die Blätter oder Nadeln. Die bis 18 mm groß werdenden Raupen überwintern im Kokon an den Trieben und verpuppen im Mai – Juni.

Was ist zu tun?

Ungeziefervernichter © Isabelle van Groeningen

Ungeziefervernichter

Keine Panik! Wo der Befall schlimm ist, könnte man diesen eventuell rausschneiden und entfernen. Besonders wenn er auf Ihren Ilex Kugeln oder der Hecke ist, können Sie die jetzt noch einmal schneiden und die Triebe entsorgen. Der Schaden ist nicht vergleichbar mit der Vernichtung die der Buxbaumzünsler anrichten kann und da es sich um ein einheimisches Insekt handelt, steht Rotgebänderter Wickler bestimmt schon seit langem auf dem Speiseplan unserer Vögel. Daher mache ich mir erstmal keine großen Sorgen. Die exotischen Einwanderer wie der Buxbaumzünsler oder die Kastanien Miniermotte sind ohne deren natürliche Bekämpfer eingewandert und daher schnell ein großes Problem geworden. Allerdings habe ich gestern noch einen prächtigen Kastanienbaum gesehen, der dank einiger Vögel im Garten kaum Miniermottenbefall hatte. Auch in unserem Garten haben wir die Meisen beobachtet, wie sie die Blätter von ihrer Last befreiten.

Kastanien Miniermotte © Isabelle van Groeningen

Kastanien Miniermotte

Der vogelfreundliche Garten

Nur ein paar Nistkästen aufhängen und Vögel mit irgendeiner Saatmischung füttern, reicht nicht. Sie verlangen ein vielfältiges Nahrungsangebot von Samen, Insekten und Früchten und natürlich auch Wasser und Aufenthaltsmöglichkeiten wie wintergrüne Gehölze. Je mehr Sie anbieten können, desto größer wird die Vielfalt und die Stückzahl der gefiederten Gartengäste sein und umso weniger Ungezieferprobleme werden Sie haben.

Ich fürchte, dass der Rotgebänderte Wickler schon seit langem seinen Schaden um mich herum angerichtet hat, ohne dass es mich besonders gestört hat. Aber durch den Buxbaumzünsler bin ich sensibilisiert. Ich kneife öfter mal ein Auge zu wenn ich mit Schädlingen konfrontiert werde, in dem Wissen, dass sich irgendwann der natürliche Feind schon kümmern wird. Ein wenig Toleranz und Geduld werden helfen!