Blausternchen – Scilla

07. September 2019 von Isabelle Van Groeningen
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Scilla bifolia © Isabelle van Groeningen

Scilla bifolia

Was mich in den letzten Jahren in Berlin echt begeistert hat, waren die blauen Teppiche, die am Ende des Winters plötzlich auftauchen, wo sich Blausternchen sensationell verwildert haben und tausende Blüten ein schimmerndes blaues Meer kreieren.

Blausternchen oder Scilla ist eine bescheidene Gattung, die viel Charme besitzt. Es gibt über 50 verschiedene Arten. Vielen davon gefällt auch unser Klima und sie lassen sich gut vermehren. Von Jahr zu Jahr breiten sie sich aus. Nicht nur die Zwiebeln vermehren sich, sie sähen sich natürlich auch selbst aus. Hierfür benutzen sie Insekten, die wir meist nur als lästig kennen: Ameisen. Wie alles in der Natur haben auch diese eine wichtige Funktion. Ameisen sind so nett und tragen die Saatkörner durch die Gegend. Jedes Saatkorn hat ein Elaiosom oder Ölkörperchen, welches die Ameisen begehren.  Solche Kooperationen sind nicht ungewöhnlich. Sie kommen bei vielen Frühblühern öfter vor. Man nennt dies auch Myrmekochorie.

Scilla bifolia

Scilla bifolia 'Rosea' © Isabelle van Groeningen

Scilla bifolia ‘Rosea’

Die ersten, die mir jedes Jahr ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, sind die Zweiblätterigen Blausterne. Ihre Herkunft ist Süd-West-Europa. In Deutschland findet man sie bis zur Höhe von Bonn, am liebsten in gemischten Laubwäldern. Eine Zwiebel produziert zwei schmale Blätter und ein feiner Blütenstiel ist mit blauen, weißen oder zart-rosa Sternchen besetzt.

Scilla mischtschenkoana

Eisig blau ist der Mischtschenko-Blaustern. Meist kommen aus einer Zwiebel drei Blätter und bis zu fünf Blütenstiele, ca. 10 – 15 cm hoch. Der blaue Streifen in der Mitte der Blütenblätter verblasst im Verlauf bis hin zum Rand, der fast weiß ist. Dadurch entsteht dieser eisblaue Farbeindruck. Diese Pflanze stammt aus dem Nahen Osten, aus relativ trockenen, felsigen Landschaften, was diese frühen Charmeure ideal macht für Ecken, die während der Sommermonate oft sehr trocken sind.

Scilla mischtschenkoana © Isabelle van Groeningen

Scilla mischtschenkoana

 Scilla siberica

Der sibirische Blaustern wirkt ein wenig kräftiger als der Zweiblätterige Blaustern. Die Farbe ist intensiv blau-violett. Die Blätter sind breiter, die Blüten größer, auch wenn es nur wenige Glöckchen sind die jeden einzelnen Blütenstiel schmücken. Er ist der Klassiker zum verwildern. Große Teppiche im Rasen unter Bäumen sind großartig. Herkunft ist die Türkei, Iran, Südrussland und die feuchten Wälder des Kaukasus.

Scilla litardieri

scilla litardieri © Isabelle van Groeningen

scilla litardieri

Der Amethyst-Blaustern kommt aus Süd-Osteuropa wo er in etwas feuchteren Wiesen und in felsigen Gegenden zu finden ist. Meistens wird er bis 20 cm hoch, blüht etwas später als die anderen und zeigt seine zart-blauen, kleinen Sternchen erst Ende April – Mai. Es ist wichtig ihn nicht zwischen zu hohe Pflanzen zu setzen. Am Fuß von Kletterrosen, an eine Pergola zum Beispiel!

Exoten

Scilla peruviana © Isabelle van Groeningen

Scilla peruviana

Während die oben genannte Gartenbewohner eher bescheiden sind, gibt es auch einige spektakuläre Sorten, die leider nicht ganz winterhart sind. Scilla peruviana, der Peruanische Blaustern, kommt aus Süd-West-Europa und Nordafrika aus feuchten Wiesen. Diese Pflanze ist immergrün und wird meist ca. 20 – 30 cm hoch. Die tiefblauen, sternförmigen Blüten entwickeln sich zu einer fast halbrunden Blütenkugel.  Scilla hyacinthoides ‘Blue Arrow‘– Riesen Blaustern – produziert dagegen einen hohen, schlanken Blütenstiel, mit locker verteilten, hellblauen Sternchen. Er ist im östlichen Mittelmeer, in trockenem Grasland beheimatet. Diese brauchen ein wenig Winterschutz und besonders Trockenheit. Sie sind daher bei uns besonders als Kübelpflanze geeignet, damit sie den richtigen Schutz bekommen können. Ursprünglich habe ich sie als Schnittblume kennengelernt und sie hat mich sofort völlig verführt!

Vielleicht haben auch Sie irgendwo ein Stückchen schwierigen Rasen unter einem Baum, der mit diesen frühen Schätzen bereichert werden kann!

Und übrigens: Heute, am 7.9.2019, startet der Zwiebelverkauf in der Königlichen Gartenakademie – unter anderem mit unseren neuen Zwiebelmischungen… – schauen Sie doch mal vorbei!

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.