Transparenter Gehölzschnitt im Garten „Le Vasterival“

22. September 2019 von Isabelle Van Groeningen
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Spätsommergarten in Le Vasterival © Isabelle van Groeningen

Spätsommergarten in Le Vasterival

Für die Kurse unserer Gartenschule an der Gartenakademie versuche ich immer wieder neue Themen und natürlich auch neue Dozenten für unsere „normalen“ Kunden, sowie für die Profis zu finden. Wo es passt, bieten wir dann auch gerne das Thema zwei Mal an. Einmal für den Gartenbesitzer und einmal in Fachsprache für den Profi. Diese Woche war es wieder soweit. Didier Willery war zu Besuch aus Frankreich, um uns den Garten von „Le Vasterival“ und seine transparente Gehölzschnittkunst zu zeigen.

Hauptvista © Isabelle van Groeningen

Hauptvista Le Vasterial

Le Vasterival

Didier Willery © Isabelle van Groeningen

Didier Willery

Obwohl Didier Willery Autor und Journalist ist und für Ulmer Frankreich arbeitet, hat er einen besonderen Job: Er ist auch botanischer Berater und assistiert bei Führungen durch den Garten von „Le Vasterival“. Dieser Garten, der vor mehr als 50 Jahren von der norwegischen Prinzessin Greta von Sturdza kreiert wurde, ist mein Favorit unter den Waldgärten. Auf über 12 Hektar gedeiht eine traumhafte Sammlung besonderer Pflanzen. Unter hohen Bäumen wachsen kleinere Bäume wie Birken, Blütenhartriegel, Magnolien, Zierkirschen und japanische Ahorne. Unter diesen gedeihen Sträucher wie Zaubernuss, Schneeball, Hortensie oder Rhododendron und zum Schluss kommt noch eine Schicht Stauden wie Lenzrosen, Taglilien, Astilben, Elfenblumen, Farne und Bergenien und natürlich auch noch Zwiebeln, wie Schneeglöckchen.

Unterbepflanzung © Isabelle van Groeningen

Unterbepflanzung mit Herbstanemonen, Hortensien und Sedum

Eine einzigartige Pflanzensammlung

Die Prinzessin hatte nie das Bedürfnis alles zu sammeln. Sie war hauptsächlich an Sorten interessiert, die die Blütensaison verlängern können. Ob es nun die 45 Zaubernüsse oder die 80 unterschiedlichen Schneeglöckchen waren – wichtig war, dass sie so lange wie möglich die Blütezeit einer Pflanze genießen konnte. Die ersten Schneeglöckchen fangen im November an zu blühen und dann blüht es durch bis in den April, wenn die letzten aufhören. Die erste Rhododendronblüte von Rhododendron ‘Christmas Cheer‘ ist an Weihnachten schon da, die letzten blühen jetzt noch. Das gleiche Prinzip gilt für die Zierkirschen, Mahonien, Magnolien und alle anderen. Allerdings wenn eine Pflanze ihr nicht gefiel, wurde diese gnadenlos entfernt. Karl Foersters bekannter Satz: „Es wird durchgeblüht“, passt auch in diesen Garten. Es gibt keinen Tag im Jahr ohne Blüten.

Enge Bepflanzung gegen die Trockenheit

Enge Bepflanzung von Bodendecker mit Heuchera villosa Sämlingen, Carex und Farne© Isabelle van Groeningen

Enge Bepflanzung von Bodendecker mit Heuchera villosa Sämlingen, Carex und Farne

Graswege zwischen großen Pflanzbeeten führen durch den Garten. Ein breiter Rasenstreifen kreiert eine große Vista oder Sichtachse, die einmal das Tal runter und dann wieder hoch quer durch den Garten führt. Die Beete sind eng bepflanzt. Das macht es nicht nur pflegeleichter da Unkraut keine Chance hat sich einzunisten, es hat auch während der extremen Trockenheit der vergangenen Sommer dafür gesorgt, dass die Pflanzen alle gut überlebt haben, auch ohne sie gießen zu müssen. Wenn Pflanzen so eng neben- und über einander wachsen, kommen Sonne und Wind nicht an die Erdfläche um diese zu vertrocknen. Dazu kommt, dass die Feuchtigkeit, die Pflanzen besonders nachts abgeben, zwischen den Pflanzen hängenbleibt und nicht verdunstet.

Durchsichtigkeit im Garten

Vegetale Bilderramen © Isabelle van Groeningen

Vegetale Bilderramen – Die Äste rahmen immer wieder neue Gartenbilder

In der Natur hatte die Prinzessin beobachtet, wie große Bäume, die am Ende ihres Lebens angekommen waren, immer mehr Äste verlieren. Damit kommen immer mehr Licht und Regen am Waldboden an, was wiederum das Wachstum einer neuen Generation ermöglicht. Ihre Idee war dieses Prinzip in ihrem Garten umzusetzen und die großen Bäume, wie die Eichen, die ihr Grundstück beschatten, auszulichten und aufzuasten. Peu a peu hat sie zusammen mit ihren Baumkletterern angefangen Bäume zu schneiden, sodass durch die Bäume immer mehr kleine Sichtachsen im Garten entstehen konnten.

Transparenter Gehölzschnitt

Wichtig bei diesem Schnitt ist, die natürliche Wuchsform einer Pflanze zu erhalten. Nie wird ein Ast einfach gekürzt. Stattdessen wird er entweder bis zum Stamm ganz entfernt oder falls es eine Verzweigung gibt, dann kann eine der beiden abgeschnitten werden. Es fängt immer mit dem Entfernen von Totholz und schwachen, kränkelnden Trieben an. Kreuzende Äste sollen vermieden werden, besonders wenn sie später aneinander reiben würden. Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen und wenn man sich nicht sicher ist, einfach nochmal die Pflanze sein zu lassen und zu einem späteren Zeitpunkt oder sogar im nächsten Jahr nochmal zu schauen, ob noch mehr weggeschnitten werden kann. Wenn möglich, fangen Sie damit an, wenn die Pflanze noch jung ist. Kleine, dünne Äste hinterlassen kleinere Schnittwunden, die schneller heilen. September bis Oktober ist die ideale Zeit für die meisten blattverlierenden Laubbäume wie Zierkirschen, Ahorne und Birken, so lange die Pflanze noch Blätter hat. Hormone, die die Wundheilung fördern, werden von den Blättern produziert. (Die helfen übrigens auch bei der Wurzelbildung, weswegen jetzt eine ideale Pflanzzeit ist!) Winterharte, immergrüne Nadelgehölze können während frostfreier Perioden in den Wintermonaten geschnitten werden. Bei blühenden Sträuchern wie Weigelien, Deutzien aber auch Bauernhortensien werden die Triebe, die drei Jahre oder älter sind, völlig rausgeschnitten.

Vorsicht!

Rhododendron, Flieder und Kamellien (für die Glücklichen die sie haben können) sollten sofort nach der Blüte geschnitten werden, bevor der neue Trieb anfängt. Schneidet man zu spät, kommt nächstes Jahr keine Blüte.

Zwei die man nicht schneiden soll, da sie sonst eingehen können sind Walnuss und Zaubernuss. Sie können höchstens die neuen Triebe bis auf ein Auge zurücksetzen, mehr nicht.

Gärtnerhaus © Isabelle van Groeningen

Gärtnerhaus

Nehmen Sie Ihre Schere und Ihren Mut in beide Hände und schauen Sie sich Ihre Gehölze mal an um zu sehen, was Sie für Ihre Pflanzen tun können. Brauchen Sie Sichtschutz, lassen Sie die Pflanze vielleicht besser in Ruhe. Wäre ein wenig mehr Licht oder Durchblick in die weite Landschaft notwendig, ist ein wenig Schnitt angesagt. Sie haben das Glück, dass Sie in Ihrem eigenen Garten zu jeder Zeit aufhören und ein anderes Mal weitermachen können, wenn Ihnen wieder etwas aufgefallen ist.

 

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.