Gärtnern Hand in Hand mit der Natur – Gardening hand in hand with nature

20. Oktober 2019 von Isabelle Van Groeningen
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Sedum 'Herbstfreude' © Isabelle van Groeningen

Sedum ‘Herbstfreude’

(Zur englischen Version – go to the English version) Nach dem langen, heißen und trockenen Sommer beginnt der Garten müde und unordentlich auszusehen. Wege und Rasenflächen, übersät mit Konfetti aus bunten Blättern, verschmelzen mit Beeten und Rabatten. Es ist unmöglich geworden zu sehen, wo das eine aufhört und das andere beginnt. Stauden haben das Ende ihrer Lebenszeit erreicht und beginnen zu verblassen. Hemerocallis und Hosta-Blätter sind leuchtend gelb geworden und befinden sich kurz vor dem Zusammenbruch in einem feuchten Durcheinander. Glücklicherweise sind die meisten Stauden in den Rabatten diejenigen, die eine interessante Struktur für die Wintermonate hinterlassen. Während die Samen reifen, trocknen die Samenköpfe aus und entwickeln bald ihre charakteristische Wintersilhouette.

Hosta sieboldii 'Harry van Trier' © Isabelle van Groeningen

Hosta sieboldii ‘Harry van Trier’

Bevor Sie in zu Ihrem Ordnungsdrang nachgeben denken Sie darüber nach, was Sie tun können, um Ihren Garten wildtierfreundlicher zu machen. Hier sind einige Beispiele:

Stauden in Beeten und Rabatten stehen lassen

Seedheads - Saatkapseln © Isabelle van Groeningen

Saatkapseln

Vögel werden es genießen, die Samen zu essen, die in den Samenköpfen versteckt sind. Ich liebe es Goldfinken zu beobachten, wie sie mit großer Freude die Samen in den stacheligen Blütenköpfen von Disteln entdecken oder wenn langschwänzige Meisen große Aufregung erzeugen, wenn sie die kleinen schwarzen Kugeln von Rudbeckia triloba plündern. Auch Insekten überwintern im Inneren der getrockneten, hohlen Stängel und leeren Samenkapseln von Blumen. Wenn genügend Samen liefernde Pflanzen vorhanden sind, ist es nicht notwendig, zusätzliches Vogelfutter bereitzustellen. Sie haben ansonsten immer die Möglichkeit, ihren Speiseplan mit speziellem Vogelmischsaatgut und Erdnüssen zu ergänzen.

Bereitstellung von Flachwasser

Winter feeding - Fütterung © Isabelle van Groeningen

Fütterung

Die meisten Ihrer Gartenbewohner benötigen einen regelmäßigen Zugang zu Trinkwasser. Ideal ist eine Schale am Boden, vorzugsweise mit unterschiedlichen Wassertiefen. Ich habe eine flache Feuerschale, die Flachwasser für kleinere Vögel wie Spatzen und Meisen zum Baden und Trinken bietet, eine mittlere Tiefe für Amseln und der tiefste Teil, wird von Tauben bevorzugt. Unterschiedliche Bade- und Trinkhöhen können auch durch das Einbringen von Steinen unterschiedlicher Größe in ein Bad erreicht werden. Vermeiden Sie steile Becken, da Tiere, die versehentlich in ihnen gelandet sind, Schwierigkeiten beim Herauskommen haben können und Gefahr laufen zu ertrinken. Wenn Sie ein geradliniges Wasserbecken haben, bietet ein kleines Brett kleinen Säugetieren wie Mäusen und Igeln einen Fluchtweg. Bei hartem Frost ohne Schnee ist darauf zu achten, dass das Trinkwasser zugänglich bleibt.

Blätter in Beeten und Rabatten lassen

Leaf - Laub Mulch © Isabelle van Groeningen

Laub Mulch

Eine dicke Blattschicht hilft nicht nur, Ihre Pflanzen vor Frost zu schützen, sie ist auch eine willkommene Einladung für Amseln, in Ihrem Garten zu stöbern und nach Insekten zum Fressen zu suchen. Mit der Zeit kompostieren die Blätter und geben dem Boden die notwendigen Nährstoffe zurück. Entfernen Sie die Blätter nur vom Rasen, da das Gras durch Laubpakete absterben kann oder durch Pilzbefall beschädigt wird. Verwenden Sie Blätter von Walnussbäumen als unkrautunterdrückenden Mulch und sammeln Sie Kiefernadeln, um säureliebende Rhododendren zu mulchen.

Erstellen von Holzstapeln und Aststapeln

Log pile - Holzbiotop © Isabelle van Groeningen

Holzbiotop © Isabelle van Groeningen

In einer ruhigen, leicht schattigen Ecke des Gartens können Sie einige Stämme aufstapeln, die über Jahre hinweg in Ruhe gelassen werden können. Diese werden langsam verfallen und bieten einen einzigartigen Lebensraum für zahlreiche Käfer, Insekten, Kröten, Pilze, Moose und Flechten. Durch das Hinzufügen einiger Hölzer alle paar Jahre, wird dieser wertvolle Lebensraum erhalten. Auch ein Stapel dünnerer Äste und Zweige kann hilfreich sein. Dies sind Bereiche, in denen Igel gerne überwintern und auch bei Störungen durch Gartenaktivitäten oder Bedrohung durch Haustiere, Schutz suchen können.

Nehmen Sie ein paar wertvolle einheimische Pflanzen in Ihren Garten auf

Brennessel mit Tagpfauenauge - stingin nettle with European Peacock © Isabelle van Groeningen

Brennessel mit Tagpfauenauge

Selten findet man einen Garten, in dem Brennnesseln nicht versuchen zu wachsen. Lassen Sie einen kleinen Fleck in einer ruhigen Ecke, da sie eine wichtige Wirtspflanze für viele unserer einheimischen Schmetterlinge ist. Auch Stechpalmen und Efeu bieten z. B. dem Faulbaum-Bläuling ein Zuhause. Die Beeren der Stechpalme sind auch bei Vögeln beliebt und Efeu, die letzte der einheimischen Gehölzpflanzen die blüht, bietet den Bienen eine wertvolle späte Nahrungsquelle. Die dunkelblauen Beeren reifen gegen Ende des Winters und sind somit eine wichtige Nahrungspflanze für eine Zeit des Jahres, in der oft nur noch wenig zu finden ist.

Pflanzen Sie Bäume und Sträucher mit Beeren und Nüssen

Euonymus alatus 'Compactus' Autumn colour © Isabelle van Groeningen

Euonymus alatus ‘Compactus’

Auch wenn wir die Früchte nicht essen, werden Vögel und Säugetiere viele der attraktiven Früchte von Sorbus, Crataegus, Prunus, Malus, aber auch Berberis, Amelanchier, Aronia, Sambucus und viele mehr genießen. Alle sind dekorative Pflanzen, die im Frühsommer mit attraktiven Blüten bedeckt sind, gefolgt von bunten Früchten im Herbst, die auch Ihren Garten schmücken können.

Verlängerung der Blütezeit

Bevor der Garten vollständig ruht und die Erinnerungen an die vergangene Sommersaison vollständig verblasst sind, notieren Sie sich zu welchen Jahreszeiten es keine oder nur wenige Blumen in Ihrem Garten gab. Verbringen Sie diesen Winter damit, nach geeigneten Pflanzen zu suchen, die während dieser Zeit blühen werden. Auch für die Wintermonate gibt es mehrere Pflanzen, die zur Blüte ansetzen, solange sie nicht zu hart gefrieren. In diesen letzten milderen Wintern blühte der winterblühende Viburnum x bodnantense ‘Dawn’ ab Ende November ununterbrochen, ebenso wie Prunus subhirtella ‘Autumnale’ und Jasminum nudiflorum. Selbst wenn ein Kälteeinbruch ihre Blüten abfallen lässt, bewahren sie immer einige Knospen in Reserve, um bei milderem Wetter weiterzumachen. Viele der winterblühenden Sträucher haben auch einen starken Duft, um die wenigen, mutigen, bestäubenden Insekten anzuziehen, wie die ersten hungrigen Hummeln, die mit den ersten Sonnenstrahlen erscheinen. Auch frühe Zwiebeln wie Schneeglöckchen und Winterakoniten werden von den ersten Besuchern genossen. Crocus tommasinianus ist eine besonders wertvolle frühe Zwiebel, die von Bienen geliebt wird, da sie eine der ersten pollenreichen Blüten ist, die dringend benötigte Nahrung liefert.

Crocus tommasinianus © Isabelle van Groeningen

Crocus tommasinianus

Vermeiden Sie gefüllte Blüten

Viele Blumen, die mit zusätzlichen Reihen von Blütenblättern gefüllt sind, so dass man das Herz der Blume nicht mehr sehen kann, sind für Insekten von geringem oder keinem Wert, da viele steril sind und keinen Nektar oder Pollen enthalten. Bei vielen Dahlien, Rosen, Hemerocallis und Margeritenverwandten ist es besser, die einzelnen Blütenformen zu wählen.

Widerstehen Sie der Versuchung, die Schere herauszuholen und alle unschönen Teile abzuschneiden und das, was nicht mehr frisch ist, zu entfernen. Lassen Sie Ihren Rechen nicht zwischen den Pflanzen umherwandern, räumen Sie einfach den Rasen und fegen Sie vielleicht die Wege, um ein Ausrutschen auf nassen Blättern zu vermeiden. Aber halten Sie sich zurück zu viel zu tun! Bevor Sie Ihr persönliches Bedürfnis nach Ordnung und Sauberkeit befriedigen überlegen Sie, welche Auswirkungen diese Aktionen auf Ihre unmittelbare Umgebung haben werden.


English Version

Gardening hand in hand with nature

Sedum 'Herbstfreude' © Isabelle van Groeningen

Sedum ‘Herbstfreude’

After the long, hot and dry summer, the garden starts to look tired and untidy. Paths and lawns, strewn with confetti of multi-coloured leaves, merge with beds and borders. It has become impossible to see where one stops and the other starts. Herbaceous perennials have reached the end of their season and have started to fade. Hemerocallis and Hosta leaves have turned glowing yellow and are shortly before collapsing into a soggy mess. Fortunately, the majority of perennials in the borders are ones that leave an interesting structure for the wintermonths. Whilst the seeds ripen, the seedheads are drying off and will soon develop their characteristic winter silhouette.

Hosta sieboldii 'Harry van Trier' © Isabelle van Groeningen

Hosta sieboldii ‘Harry van Trier’

Before you give into to your tidying up urge, think about what you can do to make your garden more wildlife-friendly. Here are some of them:

Leave perennials standing in beds and borders

Seedheads - Saatkapseln © Isabelle van Groeningen

Seedheads

Birds will enjoy eating the seeds tucked inside the seedheads. I love watching goldfinches as they discover with great delight the seeds inside the prickly flowerheads of teasel or when long tailed tits cause great excitement as they plunder the little black balls of Rudbeckia triloba. Insects will also overwinter inside the dried hollow stems and empty seedcapsules of flowers. If sufficient seed-supplying plants are provided, it should not be necessary to provide additional bird seed. Otherwise you can always supplement their diet with specialist mixed bird seed and peanuts.

Provide shallow water

Winter feeding - Fütterung © Isabelle van Groeningen

Winter feeding

Most of your garden inhabitants need regular access to drinking water. Ideal is a dish at ground level, preferably with varying water depths. I have a shallow fire dish which provides undeep water where the smaller birds like sparrows and tits can bathe and drink, middle depth for blackbirds, and the deepest part preferred by doves.  Varying bathing and drinking heights can also be achieved by placing different-sized stones in a bath. Avoid steep-sided basins, as animals that accidently stayed into them, may find it hard to get out and risk drowning. If you do have a straight-sided water basin, a small plank will provide small mammals like mice and hedgehogs an escape route. During periods of hard frost without snow, make sure the drinking water remains accessible.

Leave leaves in beds and borders

Leaf - Laub Mulch © Isabelle van Groeningen

Leaf

A thick layer of leaves not only helps to protect your plants from frost, it is an open invitation for blackbirds to come and rummage in your garden, searching for insects to eat. Given time the leaves will compost, returning necessary nutrients to the soils. Only remove them from the lawn, as packs of leaves will cause the grass to die or suffer from fungal diseases. Use leaves form walnut trees as a weed suppressant mulch and collect the pine needles to mulch acid-loving rhododendrons.

Build Log piles and twig stacks

Log pile - Holzbiotop © Isabelle van Groeningen

Log pile – Holzbiotop © Isabelle van Groeningen

In a quiet, slightly shaded corner of the garden, pile up a few logs that can remain undisturbed for years to come. This will slowly decay, providing a unique habitat for numerous beetles, insects, toads, fungi, mosses and lichens. Adding a few logs every few years will maintain this valuable habitat. Also a stack of thinner branches and twigs can be helpful. These are areas where hedgehogs will like to overwinter, and can also provide cover for fleeing small mammals when threatened by garden activities or house pets.

Include a few valuable native plants in your garden

It is rare to find a garden where stinging nettles do not try to grow. Leave a small patch in a quit corner as they are an important host plants for many of our native butterflies such as the peacock butterfly. Also holly and ivy provide a home for the Holly Blue. Hollyberries are also popular with birds, whilst ivy is the last of the native woody plants to flower, providing a valuable late feeding grounds for bees and the dark blue berries ripen towards the end of winter, making them an important foodcrop for a time of year when often little else is left.

Brennessel mit Tagpfauenauge - stingin nettle with European Peacock © Isabelle van Groeningen

Stingin nettle with European Peacock

Plant trees and shrubs with berries and nuts

Euonymus alatus 'Compactus' automn colour © Isabelle van Groeningen

Euonymus alatus ‘Compactus’

Even when we do not eat the fruits, birds and mammals will enjoy many of the attractive fruits of Sorbus, Crataegus, Prunus, Malus but also Berberis, Amelanchier, Aronia, Sambucus and many more. All are decorative plants, covered in attractive flowers in early summer, followed by colourful fruits towards the autumn, which will also adorn your garden.

Extend the flowering season

Before the garden goes fully dormant, and memories of the past summer season have fully faded, make yourself a note of which times of year there were no, or only few flowers in your garden. Spend this winter researching appropriate plants that will flower during these periods. Even for the wintermonths there are several plants that are prepared to flower as long as it is not freezing too hard. These last few milder winters the winterflowering Viburnum x bodnantense ‘Dawn’ flowered non-stop from the end of November, as did Prunus subhirtella ‘Autumnale’ and Jasminum nudiflorum. Even when a cold spell nocks their flowers off, they always keep some buds in reserve to carry on when milder weather returns. Many of the winterflowering shrubs also have strong scent to attract the few courageous pollinating insects like the first hungry bumble bees that appear with the first rays of sunshine. Also early bulbs like snowdrops and winteraconites will be enjoyed by early guests. Crocus tommasinianus is a particularly valuable early bulb loved by bees as it is one of first pollen-rich flowers providing much needed food.

Crocus tommasinianus © Isabelle van Groeningen

Crocus tommasinianus

Avoid double flowers

Many flowers that are filled with extra rows of petals so one can no longer see the heart of the flower, are of little or no value to insects as many are sterile and contain no nectar or pollen. For many dahlias, roses, hemerocallis and daisy-relatives it is better to choose the single flower forms.

Resist the temptation to get the secateurs out and cut down all the messy bits and remove that what is no longer fresh. Do not allow your rake to wander between the plants, just clear the lawn and maybe sweep the paths to avoid slipping on wet leaves, but stop yourself from doing too much! Before you satisfy your personal need for order and tidiness, think what effect these actions will have on your immediate environment.

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.