Mehr immergrüne Pflanzen im winterlichen Garten – More Evergreens for the wintergarden

08. Dezember 2019 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Jahreszeiten, Pflanzen, Winter | Schlagwörter: , , |

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Immergrüner Garten - Gartenakademie © Isabelle van Groeningen

( Zur englischen Version)

Für das erste Adventswochenende hatte ich über die immergrünen Sträucher in meinem kleinen Innenhofgarten geschrieben. Wie groß oder klein auch immer ein Garten ist – Pflanzen, die ihr Laub während der Wintermonate behalten, sind von unschätzbarem Wert, weshalb ich diese Adventsserie über immergrüne Pflanzen mit denen fortsetze, die eine gute Struktur bieten.

Wertvolle Gestaltungselemente

Arboretum Kalmthout - grünes Theater © Isabelle van Groeningen

Arboretum Kalmthout – grünes Theater

Aus gestalterischer Sicht geben immergrüne Pflanzen Struktur und bilden einen wichtigen Kontrast in Form und Farbe. Sie bilden auch eine wertvolle Kulisse für andere Pflanzen und helfen, Ansichten und Ausblicke zu gestalten, die Tiefe schaffen.

Die zarten Blüten der Zaubernuss, die feurig roten Stängel eines Hartriegels oder die leuchtend weiße Rinde der Birken heben sich von der Masse ab und werden vor einem grünen Hintergrund viel besser sichtbar.

Einfacher ausgedrückt: Sie bieten Privatsphäre und ganzjährigen Sichtschutz hinter dem neugierige Nachbarn oder hässliche Gebäude verschwinden können. Aber vielleicht das wichtigste von allem ist, dass sie einen wertvollen Windschutz bilden der hilft, ein Mikroklima im Garten zu schaffen, das es Ihnen ermöglicht, empfindlichere Pflanzen anzupflanzen.

Betula ermanii var. subcordata © Isabelle van Groeningen

Betula ermanii var. subcordata

Was gibt es zu berücksichtigen?

Neben der Winterhärte, der Gesamtgröße oder der Eignung von Boden und Lichtverhältnissen ist es wichtig, Form, Schatten und Textur der Blätter zu berücksichtigen. Kleine Blätter können unordentlich erscheinen, während kräftige, große Blätter dazu neigen, viel mehr Struktur zu verleihen.

Die Farbe spielt eine wichtige Rolle. Dunkelgrün im Gegensatz zu mittel- oder hellgrün kann bedrückend wirken, besonders wenn die Pflanze in einer dunklen Ecke wächst, in die wenig Sonnenlicht eindringt. Gelbes Laub mag nicht jedermanns Geschmack sein, aber in dunklen Ecken erscheint es wie der Sonnenschein. Beachten Sie jedoch, dass einige der panaschierten Pflanzen, wie Stechpalmen oder Efeu, möglicherweise nicht so winterhart sind wie ihre grünen Verwandten.

Auch die Oberfläche eines Blattes verdient Aufmerksamkeit. Mattes Laub neigt dazu, viel Licht zu absorbieren, was ein stumpfes und dunkles Aussehen, bis hin zur Traurigkeit erzeugt. Viele Nadelbäume wie Thuja und Eibe können diesen Effekt haben. Glänzende Oberflächen von z.B. Stechpalmen und Kirschlorbeer reflektieren das Licht und können besonders nach Regen funkelnd wirken, wenn Wassertropfen die Wirkung verstärken.

Strukturelle Evergreens

Prunus laurocersus 'Otto Luyken' © Isabelle van Groeningen

Prunus laurocersus ‘Otto Luyken’

Eine Reihe von Pflanzen eignet sich gut, um in formale Formen geschnitten zu werden. Als raumdefinierende Hecke, als Strukturform wie Kugel, Kegel oder Würfel oder als fantasievollere komplexere Form.

Lorbeer wird oft als Hecke oder als große Form verwendet, kann aber in unseren Breitengraden frostempfindlich sein. Die härtere Sorte scheint Prunus laurocerasus ‘Otto Luyken’ mit einem schmaleren, dunkelgrünen Blatt zu sein. Dieser hat auch eine ordentlichere, kompaktere Wuchsform, was ihn ideal für niedrige Hecken oder Bälle macht.

Ilex meservae 'Blue Prince' © Isabelle van Groeningen

Ilex meservae ‘Blue Prince’

Stechpalmen machen nützliche Hecken, die auch in schattigen Gebieten funktionieren. Ihr stacheliges Laub gibt den Vögeln wertvollen Schutz vor Raubtieren und die Beeren liefern gutes Futter. Die gelbbeerigen Sorten behalten ihre Früchte länger, da die Vögel erwarten, dass sie vor der Reife rot werden. (Früher oder später finden sie heraus, dass diese blassen auch in Ordnung sind!). Experimentieren Sie mit ihnen als informelle Wolkenhecken! Sehr widerstandsfähig und attraktiv ist Ilex meservae. Wie die meisten Stechpalmen gibt es männliche und weibliche Blütenpflanzen, wobei die Weibchen diejenigen sind, die die Beeren tragen. Ohne ein Männchen in der Nachbarschaft wird es jedoch keine Früchte geben. Ilex meservae ‘Blue Prince’ wird benötigt, damit ‘Blue Princess’ Ihre Weihnachtsdekoration (und die Vögel) mit ihren roten Beeren aufheitern kann.

Einer der bekanntesten Klassiker für den Scherenschnitt ist die Eibe, obwohl einige Leute sich Sorgen machen, dass sie giftig ist. Eiben sind an sich schöne Bäume, aber sie sind mein Favorit für Hecken und Formschnitt. Wenn gut getrimmt, haben sie rasiermesserscharfe Kanten, die im Winter atemberaubend aussehen.

Taxus baccata © Isabelle van Groeningen

Taxus baccata

Immergrüne Azaleen können auch als formal geschnittene Hecke oder Wolkenhecke angepflanzt werden. In Europa ist dies selten der Fall, aber in Japan ist dies eine gängige Praxis. Wenn sie nach der Blüte (aber vor Mitte des Sommers!) geschnitten werden, werden sie reichlich blühen. Diejenigen, die die rosa Farben zu grell finden, sollten eine weiße Sorte wie die reinweiße ‘Palestrina’ probieren. Obwohl es sich um eine Sorte mit etwas größeren Blättern und relativ lockerem Wuchs handelt, ist sie eher für eine Wolke als für eine formale Hecke geeignet.

Koniferen

Pinus mugo 'Pumilio' © Isabelle van Groeningen

Pinus mugo ‘Pumilio’

Die meisten Nadelbäume sind zuverlässig winterhart und immergrün und bewältigen die schwierigsten Winter. Ich liebe unsere heimischen Kiefern Pinus sylvestris mit ihrer rostigen Rinde und ihrer wunderbaren, charaktervollen Persönlichkeit, wenn sie älter und reifer werden. Es gibt zahlreiche Kiefern mit unterschiedlichen Eigenschaften. Selten zu sehen ist Pinus bungeana aus chinesischer Herkunft.  Sie hat eine dekorative Wirkung, aber der Hauptgrund für die Pflanzung dieses Baumes ist seine Rinde. Sie entwickeln bunte Flecken, wenn die Rinde abblättert, ähnlich wie bei Platanenbäumen. Für Menschen mit wenig Platz gibt es die kompakte, strauchige Form: Pinus mugo. P. mugo ‘Pumilo’ und ‘Mops’. Dies sind zwei Sorten, die klein bleiben, sodass sie auch für Container auf Dächern und Terrassen geeignet sind.

Ein ungewöhnlicher Baum ist die japanische Regenschirm-Kiefer. Scyadopitis verticillata hat nur eine einzige, dicke, fleischige Nadel, anstatt Bündel von mehreren schlanken. Ihre Farbe ist mittelgrün und glänzend, sodass sie viel Licht reflektiert. Sie ist zu dieser Jahreszeit sehr beliebt und wird oft von Floristen verwendet. Ich liebe die weichen Nadeln, die eher gummiartig als stachelig, wie bei den meisten anderen sind.

Cedrus libani © Isabelle van Groeningen

Cedrus libani

Ernsthafte Auswirkungen auf die Landschaft (nicht gut in einem kleinen Garten!) haben Zedern. Sie werden zu schönen, majestätischen Riesen. Die drei Hauptarten (Cedrus atlantica, C. deodara und C. libani) sind an ihrer Silhouette leicht zu erkennen. Beachten Sie die englischen Anfangsbuchstaben der einzelnen Arten: A, D und L. Atlantica hat aufsteigende (Ascending) oder aufwärts wachsende Äste. Deodara hat absteigende (Descending) oder etwas hängende Äste, während Libanis Äste waagerecht (Level) wachsen. Die atemberaubendste von allen, aber leider nicht für unser nordeuropäisches Klima gemacht, ist C. libani, wie auf dem Foto im Claremont Landschaftsgarten zu sehen ist.

Rhododendren und ihre Verwandten

Dies ist eine riesige Gruppe von Pflanzen, von denen viele großartige Gartenpflanzen sind, wenn man den richtigen Boden für sie hat. Da es so viele gibt, werde ich ihnen meinen dritten Adventsartikel widmen. Die Immergrünen, die im späten Winter für Blütenfarbe sorgen, werden am vierten Advent Erwähnung finden! Bis dahin wünsche ich Ihnen allen eine schöne Zeit!

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.