Neue Perspektiven nach den Stürmen – New perspectives after the storms

16. Februar 2020 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Nicht kategorisiert |

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Read the English text – Wir alle haben Bilder der Verwüstung durch die Stürme gesehen, die in den letzten Tagen in Europa gewütet haben. Bäume sind umgestürzt, Städte und angeschwollene Flüsse überflutet, Häuser beschädigt. Bei jedem Sturm, der uns entgegenweht, machen wir uns Sorgen um unsere Gebäude der Gartenakademie, um unsere Pflanzen und insbesondere um die schöne Weymouthskiefer, die den Garten beim Café prägt. Glücklicherweise haben Baumspezialisten vor einigen Jahren ihre Krone reduziert und einige der Äste verdrahtet, um sicherzustellen, dass keine größeren Glieder abbrechen können. Seitdem wir diese Arbeiten durchführen ließen, hat der Baum jeden Sturm ohne Schaden überstanden. Dasselbe könnte man auch für den Rest der Gartenakademie sagen. Wir hatten Glück. Einige der benachbarten Gärten hatten weniger Glück, aber etliche der Bäume, die beschädigt wurden, waren nicht in einem optimalen Zustand.

Efeu mit Früchten © Isabelle van Groeningen

Efeu mit Früchten

Kranke Bäume

Der durch die Dürre und Hitze der letzten Sommer verursachte Stress hat nicht dazu beigetragen, dass die Bäume geschwächt wurden. Sie haben normalerweise eine gute Fähigkeit, mit Schäden umzugehen, indem sie neues kalkhaltiges Wachstum produzieren, um Wunden zu bedecken. Manchmal ist die Wunde jedoch so groß, dass es Jahre dauert, bis sie bedeckt ist, und die Fäulnis setzt im inneren Holz ein. Mit der Zeit schließt sich die äußere Rinde wieder, aber im Inneren des Baumes entstehen langsam unsichtbare Probleme. Es lohnt sich, ältere Bäume gelegentlich zu überprüfen, besonders wenn Pilze wie der Klammerpilz auftreten.

Sturmschäden in unserem Garten

Obwohl die Kastanie und die Eiche, die an unseren kleinen Garten angrenzen, gut überlebt haben, hatten wir in unserem eigenen Garten eher weniger Glück. Ich bin traurig, wenn ich sehe, dass ein großer Teil des Efeus, der eine hässliche Hauswand bedeckte und dem Garten einen willkommenen grünen Hintergrund bot, in einem traurigen Haufen zusammenbrach. Es ist nicht so sehr der Anblick der tristen kahlen Mauer, der mich aufregt, sondern die Dutzenden von obdachlosen Spatzen, die darin leben. Sie sind zu einem integralen Bestandteil unseres Lebens geworden. Zweimal am Tag werden wir von ihrem fröhlichen Geschnatter unterhalten. Einmal wenn sie aufwachen und wenn sie abends nach Hause kommen und sich darüber streiten, wer in dieser Nacht welchen Ast zum Schlafen bekommt. Heute begann das Geschwätz um 7.09 Uhr. Eine sehr zivilisierte Zeit. Im Laufe des Frühlings wird dies immer lauter und früher werden… Und trotzdem liebe ich es.

Kollabierter Efeu © Isabelle van Groeningen

Kollabierter Efeu © Isabelle van Groeningen

Umzug …

Das neue Bambus Zuhause © Isabelle van Groeningen

Das neue Bambus Zuhause

Zum Glück sind unsere gefiederten Freunde nicht verschwunden. Sie sind erst mal in die Bambusse umgezogen. Ihr dichtes Laub ist zweifellos gut geeignet, um sich für die Nacht zu verstecken, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie sie dort ein Nest bauen können. In dieser sehr mobilen Umgebung zu schlafen, muss ein schwieriger Balanceakt sein. Wir werden sehen, was passiert – vielleicht werden sie in die Hecken der Vorgärten in den umliegenden Straßen umziehen. Ich werde traurig sein, das fröhliche Geplauder zu verpassen, aber ich hoffe, dass sie weiterhin zu ihren morgendlichen Badespielen kommen werden.

Wie geht es weiter?

Wurzeln der Efeu © Isabelle van Groeningen

Wurzeln der Efeu

Gegen unsere nackte Wand können wir wenig tun, außer geduldig zu sein. Etwa ein Drittel des Efeus bleibt übrig, und er wird mit der Zeit nachwachsen. Das Positive an diesem kleinen Drama ist, dass die Magnolien, die am Fuß der Wand wachsen, von den erhöhten Lichtverhältnissen profitieren werden, und wir werden vielleicht feststellen, dass sie besser blühen. Aus den vergangenen Sturmschäden habe ich gelernt, die positive Seite jeder unerwarteten Verwüstung zu sehen. Zunächst bin ich entsetzt über den Verlust und die Störung in meiner vertrauten Landschaft. Wenn man sich erst einmal an die Veränderung gewöhnt hat und das Chaos bereinigt ist, kann es sehr erfrischend sein, eine neue Perspektive zu haben, die neue Möglichkeiten eröffnet. Der große Sturm vom Oktober 1987, der in Südengland 15 Millionen Bäume fällte, hat mehrere berühmte historische Gärten und ganze Landschaftsteile praktisch zerstört. Heute muss man raten, wo ein Baum verschwunden ist. Die Menschen haben gelernt, wie wichtig es ist neue Bäume zu pflanzen, die Ältere ersetzen, wenn sie verschwinden.

 

Vielleicht sind auch Sie gezwungen, neu zu denken?

 

 

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.