Nachtfrost – Night Frosts

28. März 2020 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Die Gartenakademie, Frühling, Jahreszeiten, Probleme und Sorgen, Übers Gärtnern |

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Prunus yedoensis © Isabelle van Groeningen

Prunus yedoensis

Read the English text – Das Frühlingswetter stellt uns auf die Probe. Die sonnigen Tage mit strahlend blauem Himmel heben unsere Stimmung, aber es folgen kalte, frostige Nächte. Wir scheinen in Berlin mehr Nachtfrost zu erleben als den ganzen Winter hindurch. Selbst in meinem sehr geschützten kleinen Hofgarten im Zentrum Berlins hatten wir in dieser Woche mehrere Nächte -2°C. Dieses Wetter schafft eine emotionale Achterbahnfahrt für die Gärtner: Auf die Euphorie der Frühlingssonne am Tag folgt die Angst um das Wohlbefinden der geliebten Pflanzen. Sträucher mit zarten Trieben wie Hortensien oder die lang erwartete frühe Blüte von Magnolien und die frühen zarten Kirschblüten können in einer Nacht vernichtet werden.

Samthortensie - Hydrangea aspera - Nachtfrost © Isabelle van Groeningen

Samthortensie – Hydrangea aspera

Wie können Sie Ihre Pflanzen vor Nachtfrost schützen?

Mit einer Abdeckung mit Wasser:  An frostigen Abenden besprühen die Obstbauern ihre Blüten mit einem sehr feinen Wassernebel. Die winzigen Tröpfchen bilden eine Schutzhülle über den zarten Blütenblättern. Es ist auch schon passiert, dass sie Kerzen unter Bäume stellen. Die alte Tradition des Weißmachens von Baumstämmen mit einer schützenden Schicht aus Kalkwäsche bietet Schutz vor Schädlingen und Krankheiten, hilft aber auch, den Baum zu bremsen, da der frühe Sonnenschein den Stamm nicht erwärmt. Wenn unsere Magnolienblüten oder Zierkirschenblüten durch Frost beschädigt werden, ist das ärgerlich, denn es setzt der diesjährigen Blütenpracht ein Ende. Für die kommerziellen Züchter bedeutet dies das Ausbleiben der diesjährigen Ernte.

Hibiscus im Pyjama - Nachtfrost © Isabelle van Groeningen

Hibiscus im Pyjama

Abdeckung aus Gewebe: Wenn die Pflanze nicht zu groß ist, werfen Sie einfach ein leichtes Vlies über sie. Auf dem Markt gibt es einen speziellen fein gesponnenen Stoff, den Sie nachts über die Pflanzen legen können. Dieses ist extrem leicht, so dass es die zarten Triebe nicht bricht. Alternativ können Sie ein altes Bettlaken verwenden. Ich habe auch kleine Zelte aus ein paar Zeitungsblättern gemacht, die mit Wäscheklammern gehalten werden, um kleinere Pflanzen zu schützen. In diesen frostigen Nächten ist es meist windstill, so dass es nicht nötig ist, den Stoff schwer zu verankern, damit er nicht wegfliegt.

Design Pavillion © Isabelle van Groeningen

Design Pavillion

Pflanzen nach innen bringen: Vor einigen Jahren wurden alle unsere frisch angelieferten Clematis durch einen starken Nachtfrost völlig zerstört. Seitdem gehen wir in der Gartenakademie kein Risiko mehr ein: Wir bringen die meisten anfälligen Pflanzen in frostigen Nächten ins Haus. Die Klematis und die Pfingstrosen erhielten Platz in einem der Gewächshäuser, während die zahlreichen Kirschen und Magnolien sowie die Hortensien in jeden anderen verfügbaren Raum verlegt wurden: Die Kassen- und Designpavillons waren ebenso wie die Behindertentoilette überfüllt. Der Rest wurde in den Mittelgang verlegt, und sogar das Büro war voll besetzt. Das ist eine Menge Arbeit für unser fleißiges Gartenteam, aber es lohnt sich. Gefrostete Spitzen töten eine Pflanze nicht ab, aber sie verursachen ein verkrüppeltes Wachstum und können die Blühleistung beeinträchtigen.

Blühender Arbeitsplatz - Nachtfrost © Isabelle van Groeningen

Blühender Arbeitsplatz

Abhärtung der Pflanzen gegen Nachtfrost

Die anfälligsten Pflanzen sind diejenigen, die in einer geschützten Umgebung wie einem Gewächshaus, einem Frühbeet oder auch nur in ein offenes Folienhaus überwintert haben.  Auch Sämlinge, die auf Ihrer Fensterbank aufgezogen werden, brauchen eine sanfte Übergangszeit in den Garten.  Härten Sie sie langsam ab, indem Sie sie dann während milder Perioden nach draußen bringen, zunächst an bedeckten Tagen. Oder stellen Sie sie in eine schattige Ecke des Gartens. Das direkte Sonnenlicht kann an den ersten Tagen im Freien ein Verbrennen der zarten Blätter verursachen. Achten Sie darauf, die Pflanzen abzudecken, wenn die Nächte kalt sind. Nach einer Woche bis zehn Tagen sollten sie sich an ihre neue Umgebung angepasst haben.

Nicht alles ist gefährdet!

Die meisten Pflanzen, die in Ihrem Garten überwintert haben, sind vollkommen winterfest und zu dieser Jahreszeit noch auf der Hut. Der milde Winter hat jedoch dazu geführt, dass einige Pflanzen früher als normal zum Leben erwachen. Ich habe oft beobachtet, wie einige Pflanzen euphorisch auf steigende Temperaturen zu reagieren scheinen und beim ersten milden Wetter aufwachen. Andere halten sich klugerweise verlässlich an den Kalender, arbeiten mit der Tageslänge und bewegen sich erst, wenn die Zeit dafür reif ist. Keine Panik, wenn Sie morgens Ihre zarten Pfingstrosentriebe schlaff hängen sehen. Warten Sie, bis sich die Luft erwärmt und der Frost verschwindet. Es kann gut sein, dass Sie die Pflanze so vorfinden, als sei nichts passiert.

Gieß-Tipp für das Wochenende

jetzt giessen - Nachtfrost © Isabelle van Groeningen

Jetzt giessen!

Bitte überprüfen Sie die Feuchtigkeit in Ihrem Boden: Sie müssen eventuell gießen. Vor allem immergrüne Pflanzen wie Rhododendren und Bambus müssen bewässert werden. Obwohl wir einen sehr nassen Februar hatten, waren die letzten Wochen trocken und sonnig, und es gab trockene Winde. Dies ist die Zeit des Jahres, in der die Bäume anfangen, riesige Mengen an Wasser zu pumpen. Lauschen Sie dem Stamm der Birken: Sie können es hören!

Und: Die Königliche Gartenakademie hat noch immer geöffnet. Bis auf Weiteres sind wir von Montag-Samstag von 8-18 Uhr und Sonntag von 12-18 Uhr für Sie da.

 

 

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.