Grün ist die Farbe des Frühlings

03. Mai 2020 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Frühling, Jahreszeiten | Schlagwörter: , , , |

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Frühlingsbote Buche © Isabelle van Groeningen
Buche im Frühling

Read the English text – Das Erwachen der Natur hat immer große Freude in mein Leben gebracht. Auch wenn ich den Herbst mit seinen herrlichen Farben zu lieben gelernt habe, ist es diese Zeit des Jahres, die mich am meisten begeistert. Der erste zauberhafte Ansturm von kleinen, zarten Zwiebeln und frühen, meist schattenliebenden Stauden ist vorbei. An seine Stelle ist nun das berauschende Auftauchen von Bäumen und Sträuchern getreten. Einige sind Frühaufsteher, andere lassen sich Zeit. Das Aufbrechen der Blätter hängt nicht nur von den ursprünglichen klimatischen Bedingungen ab, die den natürlichen Lebensraum der Pflanze dominieren, sondern auch von den jahreszeitlichen Temperaturen und den lokalen Mikroklima. Städtische Gärten werden schneller begrünt als Gärten in exponierteren ländlichen Gebieten. Selbst wenn die Tagestemperaturen hoch sind, machen die kalten Nachttemperaturen die Pflanzen müde und verlangsamen das Wachstum. Das war bei uns in den letzten Wochen der Fall. Der dringend benötigte Regen in den letzten Tagen hat ebenfalls sehr geholfen.

Frühling – Jahreszeit der grünen Kontraste

Ich denke immer, dass in diesen kostbaren Wochen jede Pflanzenart ihren ganz eigenen Grünton hat. Mit dem Fortschreiten der Wochen und der Stärkung der zarten, feinen Blätter für den langen heißen Sommer der vor uns liegt, wird das Grün einheitlicher und verliert seinen einzigartigen Charakter. Ich bewundere die Kontraste des frischgrünen, auftauchenden Laubes von Kirschen, Birken und Viburnums vor dem strengen, dunkelgrünen Hintergrund von immergrünen Rhododendren und Nadelbäumen.

Frühe Grüntöne

Pyrus salicifolius pendulus © Isabelle van Groeningen
Pyrus salicifolius pendulus

Euonymus alatus, berühmt für seine leuchtende Herbstfärbung zu Beginn des Herbstes, hat längst Blätter bekommen, ebenso wie die japanische Kirsche. Diese blühen früh und wenn sie verwelken, kommen die Blätter zum Vorschein. Viburnum plicatum ‘Mariesii’ hat sich in den letzten Wochen gut behauptet und trägt nun seine zartgrünen Blätter mit einem leichten kupferfarbenen Schimmer. Wirklich kupferfarben ist das neue Laub von Amelanchier, deren Blütenknospen zum Vorschein kommen, während Pyrus salicifolius ‘Pendula’ seine weißen Birnenblüten zeigt und die olivenähnlichen, schmalen, silbernen Blätter zum Vorschein kommen. Die Kletterrosen, insbesondere jene die nicht beschnitten wurden, oder einst blühende Kletterrosen, die im Spätsommer nach der Blüte beschnitten wurden, sind bereits mit frischen grünen Blättern bedeckt, die auch die ersten Blattläuse erfreuen.

Amelanchier lamarckii © Isabelle van Groeningen
Amelanchier lamarckii

Das Erwachen der Natur

In den Hecken öffnen sich die silbrig-grünen neuen Blätter der Eberesche wie eine Hand, die ihre Finger streckt und die Weißdorne haben zartes, glänzend grünes Laub gebildet. Über ihnen hängen die sanft schwingenden Zweige von Silberbirken, die mit blassen, fast gelbgrünen Laubblättchen bekleidet sind. Aus den geschwollenen Knospen der Eichen erscheinen etwas unbeholfen frische, grüne Eichenblätter in kleinen Bündeln.

Frühlingsbote Buche © Isabelle van Groeningen
Buche

Das Beste sind jedoch die Buchen. Nachdem ich in meinem Kindergarten mit großen, majestätischen Buchen aufgewachsen bin, warte ich sehnsüchtig auf die fast leuchtend grünen Wölkchen, die sich durch die Buchenwälder ziehen, wenn einige Bäume etwas früher grün werden als andere oder einzelne Äste nicht mehr warten können und sich vor den anderen entfalten müssen. Aus diesem Grund pflanze ich die Buche lieber als Heckenpflanze und nicht als Hainbuche. Letztere kommen etwas früher ins Blatt, haben aber nicht diese leuchtende Frische.

Ahorn im Frühling

Acer davidii bud - Frühling © Isabelle van Groeningen
Acer davidii bud

Die Gattung Acer enthält eine Fülle interessanter Arten mit enormem Gartenwert, die von majestätischen hohen Bäumen wie Acer rubrum über Bäume mit auffallender Rinde wie Acer davidii bis hin zu den viel kompakteren, japanischen Ahornen Acer palmatum reichen. Einige von ihnen haben rotes Laub, das den ganzen Sommer über erhalten bleibt. Viele sind im Sommer grün, aber beginnen die Saison im Frühling gelb, gelbgrün oder ockerfarben. Die korallenrote Rinde von A. palmatum ‘Sangokaku’, die wir im vergangenen Herbst in unserem Garten gepflanzt haben, hat mich den ganzen Winter über aufgemuntert. In den vergangenen Wochen tauchten winzige fächerförmige Blätter auf und brachten viel Freude. Es gibt so viele attraktive Blätter. Da es Hunderte von verschiedenen Sorten mit unterschiedlichen Blattformen und -farben sowie unterschiedlicher Rinde gibt, ist es am besten, sich eine auszuwählen, die Ihren Anforderungen und Ihrem Geschmack entspricht. A. palmatum ‘Orange Dream’ hat zu Beginn der Saison im Frühling gelbliche, an den Spitzen rötliche Blätter. Für den sehr kleinen Garten sind die langsam wachsenden und kompakten Dissektum-Sorten ideal. Ihre Blätter sind fein geschnitten, um einen Federeffekt zu erzielen, sowohl in grüner als auch in rotblättriger Form.

Acer palmatum 'Orange Dream' im Frühling © Isabelle van Groeningen
Acer palmatum ‘Orange Dream’

Schauen Sie sich die entstehenden Knospen genau an, wenn Sie in den kommenden Tagen durch Ihren Garten oder die Landschaft gehen. Nehmen Sie sich Zeit, sie genau zu studieren.  Die komplizierten Details, der Reichtum an Farbe, Textur und Form ist ziemlich einzigartig. Ihre Geduld wird sehr belohnt werden!

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.