Horstige Wolfsmilch für Staudenrabatten

21. Juni 2020 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Gärten, Jahreszeiten, Stauden, Übers Gärtnern | Schlagwörter: , , , |

Beitrag Drucken
Rosa 'Munstead Wood' © Isabelle Van Groeningen
Wolfsmilch & Rosa ‘Munstead Wood’

– read the English text – Euphorie mag für viele nicht ganz oben auf der Wunschliste stehen, aber die verdienen wirklich eine genauere Betrachtung, da sie einem Pflanzschema großen Charakter verleihen können. Die Gattung Euphorbia/Wolfsmilch umfasst ein breites Spektrum an Pflanzen. Vom bekannten Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima), der das Haus zu Weihnachten schmückt, über trockenheitstolerante, kaktusähnliche Pflanzen bis hin zu einer breiten Palette von praktischen und dekorativen winterfesten Gartenpflanzen.

Sie decken ein breites Spektrum an Lebensräumen ab, von dichtem Schatten bis zur vollen Sonne, von feuchten Wiesen und Wasserrändern bis zu trockenen, steppenähnlichen Bedingungen. Einige haben ausbreitende, invasive Wurzelsysteme, was sie zu nützlichen Bodendeckern macht. Einige säen sich gerne selbst aus und verstreuen sich in informellen Anpflanzungen, während andere zuverlässige, gut erzogene, horstbildende Stauden sind. 

Zwei Gegenpole treffen sich in einer Rabatte.

Ich möchte zwei besonders kontrastierende Arten vorstellen, die wir in den letzten Jahren an der Gartenakademie in die Staudenrabatten eingeführt haben und die ich nicht mehr missen möchte. Ihre natürlichen Lebensräume könnten nicht unterschiedlicher sein: der eine mag es trocken und durchlässig, der andere hat gerne nasse Füße. Dank unseres langfristigen Engagements für die Bodenpflege haben wir eine schöne, dunkle, krümelige Textur erhalten, die die Feuchtigkeit während der heißen, trockenen Sommermonate bemerkenswert gut hält. Infolgedessen gießen wir nur gelegentlich.

Toleranz

Im Laufe der Jahre habe ich beobachtet, dass viele Pflanzen, wie der Mensch, eine gewisse Toleranz haben und feuchtere/trockenere/sonnigere/schattigere Bedingungen ertragen – bis zu einem gewissen Grad. Einige sind flexibler als andere, und normalerweise beeinflussen mehrere Faktoren das Wohlbefinden einer Pflanze. Sie können zum Beispiel einen sonnigeren Standort vertragen, solange genügend Feuchtigkeit vorhanden ist. Zu heiß und zu trocken, kann einfach zu viel sein, um damit fertig zu werden. Es gibt Pflanzen, die an einem besonders trockenen Standort mit erheblichem Frost besser zurechtkommen als in einem normalen Beet.

Euphorbia palustris ‘Wahlenburgs Glorie’ – Sumpf-Wolfsmilch

Euphorbia palustris 'Wahlenburgs glorie' © Isabelle Van Groeningen
Euphorbia palustris ‘Wahlenburgs glorie’ – Wolfsmilch

Diese Pflanze gedeiht oft in feuchten Wiesen oder an Flussrändern von Europa bis hinüber nach Asien und bis in den Nordwesten Chinas. Palustris ist der lateinische Begriff für Sümpfe. Sie scheint trotzdem unter normalen Gartenbedingungen ebenso glücklich zu wachsen.

E. 'Wahlenbugrs Glorie '+ Tulpen © Isabelle Van Groeningen
E. ‘Wahlenbugrs Glorie ‘+ Tulpen

Diese früh blühende Staude ist ein großartiger Partner für Tulpen. Sie bietet ein wertvolles frühes Volumen hellgrünes Laub, das von leuchtend gelbgrünen Blüten gekrönt wird, die einen frischen Kontrast zu allen Tulpenfarben und Alliums bilden. Wenn sich der Sommer dem Ende zuneigt, wird das Laub ein wenig dünner, aber die Saison endet mit einem großen Ausbruch orangeroter Herbstfarben. Sie ist eine der wenigen Stauden, die eine schöne Laubfärbung entwickelt und einen guten Kontrast zum warmen Gelb der Molinia bildet.

Euphorbia paulstrus 'Wahlenburg's Glorie' Herbst © Isabelle Van Groeningen
Euphorbia paulstrus ‘Wahlenburg’s Glorie’ Herbst

Vor einigen Jahren besuchte ich eine Sichtung mit diesen Euphorbien in Weihenstephan. Besonders gefiel mir die Sorte ‘Wahlenburg’s Glorie’. Sie ist starkwüchsig und kann bis zu einem Meter Höhe oder mehr erreichen. Deshalb verwende ich Einzelpflanzen, die in der zweiten Reihe über den Rand verteilt sind. 

Weihenstephan © Isabelle Van Groeningen
Weihenstephan

Euphorbia seguieriana ssp. niciciana – Steppen-Wolfsmilch

Euphorbia seguieriana ssp niciciana © Isabelle Van Groeningen
Steppen-Wolfsmilch – Euphorbia seguieriana ssp niciciana

Diese Pflanze stammt aus trockenen, steinigen, steppenartigen Umgebungen von Osteuropa bis nach Asien. Sie braucht einige Jahre, um sich zu entwickeln, aber das Warten lohnt sich. Ich habe sie als sich wiederholende Randpflanze verwendet, die im Vordergrund verstreut ist. Zusammen mit Nepeta ‘Walker’s Low’, Stachys monierei ‘Hummelo’ und Sedum ist sie Teil des Pflanzschals, den ich gerne verwende, um kleine Probleme zu verbergen, wie z.B. unansehnliches absterbendes Zwiebellaub, Löcher, die von frühen Stauden hinterlassen werden, oder braune Beine von Astern, deren untere Blätter sich braun verfärben, bevor sie überhaupt zu blühen begonnen haben. Sie sind gerade jetzt in voller Blüte und sehen mit der dunkelvioletten Farbe von Salvia nemorosa ‘Caradonna’ und natürlich unseren Rosen umwerfend aus. Mit dem ordentlichen, schmalen Laub werden die Pflanzen bis weit in den Spätsommer/Frühherbst hinein gut aussehen. Deshalb schätze ich sie so sehr in der erste Reihe, wo sie bis zu 50 cm hoch wird. 

Wolfsmilch - Euphorbia seguieriana niciciana © Isabelle van Groeningen
Steppen-Wolfsmilch – Euphorbia seguieriana niciciana

Neutrale Farbe

Ich verwende Wolfsmilch gerne für die leuchtende Chartreuse grüne Farbe.  Es ist nicht ganz grün, es ist nicht gelb und es passt zu allen Farben. Dramatische Kontraste werden in Kombination mit kräftigen Farben wie rot, pink oder dunklem violett erreicht, subtilere Harmonien werden mit weiß und gelb erreicht. Obwohl die Farbwirkung ähnlich der des Frauenmantels ist, hat er eine viel längere Blütezeit.

Diese Pflanzen mit starkem architektonischem Charakter und leuchtender Farbe sind eine Überlegung wert, um an trübe Tage einen Hauch von Sonnenlicht in den Garten zu bringen.

Beitrag Drucken
Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.