Geeignete Kletterer für eine Terrassenpergola

06. September 2020 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Pflanzen, Rosen | Schlagwörter: , , , |

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Wisteria sin. 'Prolific' © Isabelle Van Groeningen
Wisteria sin. ‘Prolific’

Read the English text – In der Hitze der Sommermonate hat nicht jeder den Luxus eines kühlen, schattigen Baumkronendaches, unter das er sich zurückziehen kann. Viele Menschen müssen sich mit einem Sonnenschirm, einem Segel oder einer Markise begnügen. Diese spenden Schatten, machen aber im Gegensatz zum Laub kaum einen Unterschied in der Temperatur. Eine Pergola zur Abdeckung der Terrasse kann einen großen Unterschied machen.

Im zeitigen Frühjahr, wenn jeder Sonnenstrahl geschätzt wird, lässt das Gerüst eines frisch beschnittenen Kletterers viel Licht durch. Bis Mitte des Sommers wird es sich zu einem dichten Vordach entwickelt haben, das nicht nur die Sonne aussperrt, sondern auch ein viel kühleres Mikroklima schafft.

Welche Kletterer eignen sich zur Beschattung einer Terrasse?

Es ist wichtig, einen kräftigen Kletterer zu finden, der eine ausreichend grosse Fläche abdecken kann. Idealerweise einen, der im späten Winter/frühen Frühling stark beschnitten werden kann, der aber bis Juli ein geschlossenes Vordach bietet.

Glyzinie

Eine Glyzinie kommt leicht zurecht, hat aber ihre Hauptblütezeit früh, bevor Sie wahrscheinlich draußen sitzen. Glücklicherweise sind viele Sorten in der Lage, im Laufe des Sommers weiterhin die eine oder andere Blüte zu produzieren.  Die Wisteria ‘Prolific’ ist einer dieser Kletterer (Bild siehe oben).

Vergessen Sie nicht, dass sie zweimal im Jahr beschnitten werden müssen: im Sommer, um den Neuwuchs auf etwa 6 Knospen zu reduzieren, im frühen Frühjahr, um sie weiter auf 2-3 Knospen zurückzuschneiden.

Rosen

Es gibt nichts Idyllischeres als ein frühsommerliches Mittagessen unter einem blühenden Rosendach.  Es ist wichtig, diejenige mit dem richtigen Maß an Vitalität zu finden. Nicht wenige Kletterrosen eignen sich perfekt für eine Laube, haben aber Mühe, einen größeren Teil der Pergola zu bedecken und bieten nicht mehr als Halbschatten. Die kräftigeren Kletterrosen werden dies problemlos schaffen, aber ihre starken neuen Triebe, die im Sommer erscheinen, können sich durchaus zu einem stacheligen Hindernis entwickeln. Eine charmante, aber nur einmal blühende Rose ist Rosa ‘Felicité et Perpetue’, oder eine beliebte, remontierende, nicht zu invasive Kletterpflanze ist die ‘Guirlande d’Amour’. Beide neigen dazu, zahlreiche Triebe zu bilden, so dass sie an der Basis recht buschig sind, bieten aber viele Stämme, die über Drähte gelegt werden und ein geschlossenes Blätterdach bilden können.

Waldrebe und Geißblatt – weniger geeignete Kletterer

Kletterer - Lonicera caprifolium © Isabelle Van Groeningen
Lonicera caprifolium

Beide sind weniger geeignet. Obwohl Geissblatt (wie Lonicera peryclimenum) ihre köstlich duftenden Blüten während der Sommermonate hervorbringt, können sie im Frühjahr nicht stark beschnitten werden, um das Blätterdach aufzuhellen. Mit der Zeit werden sie eine unordentliche Vegetationsmatte bilden. Die im Sommer blühenden Clematis, die mit dem Frühjahrsschnitt zurechtkommen, haben nicht die erforderliche Wuchskraft. Eine frühlingsblühende Clematis montana schon, aber auch diese können im Frühjahr nicht beschnitten werden und benötigen in der dunklen Jahreszeit wertvolles Licht. Beide Kletterer sind von Natur aus mit Waldgebieten verbunden und ziehen es vor, ihre Füße an einem kühlen, schattigen Ort zu haben.

Campsis – Trompetenblume

Kletterer - Campsis radicans 'Flamenco' © Isabelle Van Groeningen
Campsis radicans ‘Flamenco’

Dieser sehr exotisch aussehende Kletterer mit seinen bunten, großen Trompeten erregte meine Aufmerksamkeit zum ersten Mal in Italien. In England gilt er oft als ungeeignet für das Klima, aber das hat eher mit dem Mangel an Sonnenschein und -wärme zu tun. Sie profitieren wirklich von einem warmen, sonnigen Klima, um im Sommer reichlich Blüten zu produzieren. Die Farben reichen von einem warmen Gelb (Campsis radicans ‘Flava’) über ein sanftes Orangerot (C. grandiflora) bis zum tiefen Rot von C. tagliabuane ‘Summer Fire Jazz’.

Vitis – der klassische Kletterer

Kletterer - Vitis coignetii © Isabelle Van Groeningen
Vitis coignetii

Wein ist eine interessante Kletterer-Gattung für eine Pergola. Eine Deserttraube wie Vitis vinifera ‘Schwarzer Muskat von Hamburg’ oder die stark parfümierte ‘Fragola’ hat den zusätzlichen Vorteil, dass sie eine genießbare Ernte liefert, aber es gibt auch den Nachteil, dass die Früchte, die nicht gegessen werden (von Ihnen selbst oder von den Vögeln), rechtzeitig entfernt werden müssen, da sie eine Terrasse beflecken und auch Wespen anziehen können. Auch die rein dekorativen Arten wie die grossblättrige Vitis coignetii mit ihrer prächtigen Herbstfärbung oder die rotblättrige Vitis vinifera ‘Purpurea’ bringen Früchte hervor, deren saure Trauben von den Vögeln jedoch eher ignoriert werden.

Parthenocissus

Kletterer - Parthenocissus inserta © Isabelle Van Groeningen
Parthenocissus inserta

Obwohl dieser Wein ein wenig aggressiv sein können, da die meisten sehr kräftige Kletterer sind, die das ganze Haus erobern werden, wenn sie nicht in Schach gehalten werden, haben sie den Vorteil, dass sie ohne Hilfe klettern. Sie verlieren ihr Laub früh, so dass, sobald die dunkleren Herbsttage kommen, wieder natürliches Tageslicht eindringen kann. Hinzu kommt natürlich die prächtige, wenn auch frühe Herbstfärbung. Sie sind immer die ersten, die ein leuchtendes Rot annehmen, sobald die Luft herbstlich wird.

Sie haben die Wahl! Vergessen Sie nicht, dass der Herbst auch die beste Pflanzzeit für Kletterpflanzen ist – endlich bekommen wir einen sehr willkommenen Regen, der schließlich die dringend benötigte Feuchtigkeit in die Böden bringt.

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.