Herbstliche Farbexplosion

25. Oktober 2020 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Die Gartenakademie, Herbst, Jahreszeiten | Schlagwörter: , , , , |

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– read the English text – Fast über Nacht begann die jährliche Herbstshow. In der vergangenen Woche konnten wir beobachten, wie die Landschaft in unserer Umgebung von Tag zu Tag bunter wurde. Selbst entlang der belaubten Straßen Berlins haben zahlreiche Eichen und Ahorn in leuchtende Orange- und Rottöne gewechselt, während das buttergelbe Lindenblätter-Konfetti auf den Bürgersteigen liegt. Im Rahmen unseres Waldthemas in diesem Herbst möchte ich mehr über einige der schönsten Bäume schreiben, die gerade jetzt im Rampenlicht stehen.

Linden Allee © Isabelle Van Groeningen
Linden Allee

Die Zeit und der Grad der Färbung variiert von Gattung zu Gattung, von Art zu Art und von Baum zu Baum. Darüber hinaus werden auch die Saison und der Standort die Gesamtwirkung beeinflussen. Einige Bäume erzeugen zuverlässige Farbexplosionen, andere weniger. Manche sollen bunt sein, entpuppen sich aber als Enttäuschung. Ich hatte im Garten meiner Eltern eine Parrotia persica gepflanzt und ihnen ein Jahresfeuerwerk versprochen, aber der Baum verfärbte sich bestenfalls mittelmäßig gelb und übersprang die Technicolor-Farbpalette, die er zeigen sollte.

Carpinus betulus © Isabelle Van Groeningen
Carpinus betulus

Sonnenschein beeinflusst den Grad der Färbung, die sich im Blatt zeigt, wenn das grüne Chlorophyll im Herbst verschwindet, aber auch die genetische Varianz spielt bei samengezüchteten Pflanzen eine Rolle. Die vier Obelisken der Hainbuche, die als Sentinel am Eingang stehen, sind immer noch tiefgrün. Einer, der vor meinem Büro als Spalier geschult wurde, ist bereits vollständig gelb. Warum? Sie haben verschiedene Gene, einer ist der normale Typ, die Obelisken sind fastigiate Formen und wachsen unter verschiedenen Bedingungen: einer steht in einem großen Topf, die anderen in voller Erde.

Ahorne

Zuverlässige frühe Farbe – Anbieter sind immer Pfaffenhut und Ahorn und sind diejenigen, die die Gartenakademie jetzt erst richtig zum Leuchten bringen.  Im Rahmen unseres Waldthemas in diesem Herbst haben wir im Mittelgang mehrere Bäume ausgestellt. Dort war alles noch sehr grün, bis vor ein paar Tagen der Schlangenahorn, Acer davidii, plötzlich ein strahlendes Gelb annahm. Dieser entwickelt sich zu einem außergewöhnlich feinen Baum mit sehr attraktiven neuen Trieben im Frühjahr, die bis zu 10 Meter hoch werden.

In der Baumschule gibt es zahlreiche japanische Ahorne, die zeigen, welch große Variationen ihr Blattwerk erreichen kann. Sie alle eignen sich besonders gut für den kleineren Garten, denn ihr eleganter Wuchs macht sie zu idealen Bäumen, um einen Blickfang zu schaffen. Das federartige Laub von Acer palmatum ‘Dissectum’ färbt sich gerade in ein wunderschönes Orange, während die Blätter von Acer palmatum ‘Sangokaku’ korallenrot sind, passend zur Farbe seiner Rinde. Acer palmatum Shaina’ hat ebenfalls eine dunkelrote Rinde mit leuchtend tiefroten Blättern. Ein ähnlich leuchtender, tiefroter Klecks stammt von Euonymus alatus ‘Compactus’, und ein noch dunkleres Rot von Cornus alba ‘Sibirica’. Aber die japanischen Ahorne sind nicht die einzigen, die eine solche Darstellung bieten. Auf unserem Parkplatz steht ein großer Acer platanoides. Aber seine Herbstfärbung ist besonders schön, was mich glauben lässt, dass es sich um eine besondere Auslese handeln könnte, die von unseren Vorgängern gepflanzt wurde, aber leider gibt es kein Schild oder keine Aufzeichnungen darüber, was es sein könnte. Wenn man die Straße hinunterkommt, wird man von seinem Leuchtfeuer angezogen.

Judasbäume

Cercis chinensis 'Avondale' © Isabelle Van Groeningen
Cercis chinensis ‘Avondale’

Ich bin sehr angetan von den runden herzförmigen Blättern der Judasbäume – sie haben ein gefälliges, befriedigendes Aussehen mit den glatten Rändern und abgerundeten, großzügigen Herzen. Der chinesische Judasbaum Cercis chinensis ‘Avondale’ ist eine kompaktere Form, die ca. 2 Meter hoch wird, was ihn ideal für den kleineren Garten macht. Er ist besonders reich blühend und wird dies schon in jungen Jahren tun. Cercis canadensis ‘Royal White’ benötigt mehr Platz. Gewöhnlich weit verzweigt, kann sie etwa 7 Meter hoch und breit werden, was sie auch zu einem guten Schwerpunktbaum macht, wenn der Platz es erlaubt. Die reinweißen Blütenbüschel erscheinen bevor die Blätter kommen. Wenn Ihr Garten groß genug ist, und geeignete, die Landschaft verändernden Bäume unterzubringen, sollten Sie Cercidiphyllum japonicum anpflanzen. Dieser große Baum mit stattlich aufrechtem Wuchs verzaubert mich nicht nur jeden Herbst mit seinen fast durchscheinend gelben Blättern, sondern besticht mich immer wieder durch seinen sehr ausgeprägten Duft, den man auch im Frühjahr riechen kann. Dieser Duft schenkt ihm auch seinen Namen: Kuchenbaum. Wenn Ihre Nase dem köstlichen Duft von Zuckerwatte hinterher schnuppert, wissen Sie, dass es in der Nähe einen gibt. Ein schönes, altes Exemplar, das nebenan im Universitätspark wächst, ist am Ende seines Lebens angelangt und hat in den letzten Jahren sehr früh seine Blätter abgeworfen, aber das junge Exemplar im Japanischen Garten ist gerade dabei, seinen Teil dazu beizutragen, und sein unverwechselbarer Duft begrüßte mich, als ich mich heute Morgen meinem Büro näherte. Er steht neben dem schönen Prunus yedoensis und gegenüber einem Amelanchier lamarckii, die beide gerade orange leuchten.

Bäume – Frucht und Blatt

Es gibt mehrere Bäume, die einen doppelten Akt darstellen: Sie haben eine gute Herbstfärbung mit dem zusätzlichen Bonus von bunten Früchten, was sie zu wertvollen Vogelbäumen macht. Die Zieräpfel sind zwar nicht für ihre tolle Herbstfarbe bekannt, aber dank des Kontrastes mit den kleinen roten Äpfeln kann der Effekt auffällig sein, wie bei Malus ‘Adirondack’. Dieser kleine aufrechte Baum eignet sich besonders für kleine Gärten, da er im Frühling üppig blüht. Ähnlich wertvoll sind Weißdornen, insbesondere der Pflaumenblättriger Crataegus prunifolia. Lassen Sie sich nicht von ihren schwarzen Dornen abschrecken, denn es ist ein breitkroniger Baum, der Ihnen viel Freude bereiten wird. Seine weiße Blütenpracht im Frühling ist sehr auffällig, die leuchtend roten Früchte im Herbst sehr attraktiv und bei Amseln äußerst beliebt, und die Blätter sehen aus, als stünden sie gerade in Flammen.

Große Bäume

Liquidamber styraciflua © Isabelle Van Groeningen
Liquidamber styraciflua

Die meisten der oben beschriebenen Bäume eignen sich für den kleineren Garten, aber einige von Ihnen haben vielleicht Platz für etwas Großes, einen Baum, der kommenden Generationen viel Freude bereiten wird. Zu meiner großen Freude haben die örtlichen Behörden mehrere Amberbäume oder Liquidambar styraciflua auf der Straße gepflanzt. Ihr aufrechter Wuchs lässt sie schlank und elegant aussehen, und sie sind einige der besten für die Herbstfärbung. Die Blätter gehen von Grün zu Gelb über und durchziehen dann die gesamte Palette der Orangen und Rottöne, um mit tiefsten Violetttönen wie ein vollmundiger, köstlicher Rotwein zu enden. Darüber hinaus ist er einer der Bäume, der verspricht, als Klimabaum nützlich zu sein und heiße, trockene Sommer zu meistern. Ein weiterer zäher Baum ist der Fächerblattbaum. Diese entwickeln eine üppige gelbe Herbstfarbe. Ginkgo biloba ‘Obelisk’ ist eine dicht belaubte, aber schlanke, säulenförmige Form. Ein weiterer faszinierender Baum, der gerade gelb geworden ist, ist Liriodendron tulipifera, seine zartorangen und grünen tulpenförmigen Blüten im Frühsommer gibt ihm seinen Namen: der Tulpenbaum. Daraus wird ein großer, stattlicher Baum mit tief gerillter Rinde. Seine großen, markanten Blätter haben ein einzigartiges Merkmal: es fehlt die Spitze (anscheinend hat der Teufel sie abgebissen, da er auf diesen einfach perfekten Baum eifersüchtig war!)

Nicht jeder hat den Platz, um einen großen Baum zu pflanzen, aber es gibt auch viele kleinere Bäume, die gut in Ihren Garten passen könnten. Es ist so wichtig für uns, Bäume zu pflanzen. Sie sind schön, bieten Blüte, Herbstfarbe und an heißen Sommertagen willkommenen Schatten. Sie sind unsere grüne Lunge, sie absorbieren Lärm und Staub, sie bieten Lebensraum für so viele Organismen, die alle zu dem großen Ökosystem beitragen, auf das wir so stark angewiesen sind. Es mag sein, dass ich mich wiederhole, es tut mir leid, aber es ist einfach ein so wichtiges Thema, und jetzt ist die beste Zeit, hinauszuschauen und die nächste Generation zu pflanzen, die unsere Landschaften prägen wird.

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.