Der Magische Waldtisch

15. November 2020 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Die Gartenakademie, Herbst, Jahreszeiten | Schlagwörter: |

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It's magic! © Isabelle Van Groeningen

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Wann hatten Sie das letzte Mal Gelegenheit sich einen Waldboden aus der Nähe zu betrachten?  Weiche Moospolster unter den Füßen zu spüren und den aufsteigenden Duft tief einzuatmen. Einen der besten Düfte der Welt, wie ich finde. Ein kleines Stück Luxus, der ein wunderbares Gefühl innerer Stille und Ruhe auslösen kann. Wir haben mit unserem Waldtisch/enchanted forest table versucht, diesen Mikrokosmos, so wie die Natur ihn uns zu Füßen legt, einzufangen. Mit bizarren Formen von Pilzen, Flechten, Moosen und Kräutern. Tautropfenketten und silberner Häubchen fleißiger Vielbeiner, gewachsenen Ornamenten von Früchten des Waldes, Borke und herbstlichem Blattkleid. Die Schönheit ist in jedem noch so kleinen Detail zu finden. Seien Sie Gast an unserem Tisch, gedeckt mit Köstlichkeiten der Natur.

Julia Matthies, Gärtnerin Königliche Gartenakademie

Zu Tisch, es ist gedeckt! © Isabelle Van Groeningen
Zu Tisch, es ist gedeckt!

Bevor wir Schluss machen mit dem Waldthema, das diesen Herbst die Gartenakademie dominierte, möchte ich noch über unseren wunderbaren Waldtisch berichten. Julia Matthies, eine unserer Gärtnerinnen, hatte die Idee die Terrasse vor dem Wurzelhaus als verwunschenes Waldmotiv umzugestalten. Nachdem sie einige alte Stühle im Internet gekauft hatte und einen unserer schweren Tische aus alten Balken benutzte, machte sie sich daran, den Bereich zu dekorieren.  Eine Auswahl von Bäumen wie Eichen und Hainbuchen, die mit unseren Wäldern assoziiert sind, bilden den Rahmen. Der mit dicken Moospolstern gedeckte Tisch ist mit Farnen, Seggen und Alpenveilchen bestückt. Über allem sind die seidigen Bärte von Waldrebe drapiert. Pilze, Eicheln und glänzende Kastanien schmiegen sich wie kostbare Schmuckstücke in das Moos. Die Sitzkissen der Stühle sind weiches Moos, aus dem Gräser wachsen. Während die Wege an der Gartenakademie täglich gekehrt und geharkt werden, damit alles ordentlich aussieht, hat Julia in diesem Bereich die ersten Blätter des Herbstes verstreut, und in den vergangenen Wochen durfte das Laub hier liegen bleiben. 

Alice in Wunderland

Moos macht glücklich, wussten Sie das? © Isabelle Van Groeningen
Moos macht glücklich, wussten Sie das?

Diese magische Szene erinnert mich an Alice im Wunderland. Wenn Sie die Gelegenheit haben, schauen Sie es sich an. Auch wenn das Thema Wald an diesem Wochenende den Staffelstab an die Adventszeit übergeben hat, so bleibt der schön gedeckte Tisch doch noch für alle Besucher zum Genießen. Die feurig roten Hartriegel haben zwar ihre Blätter verloren, aber die Hainbuchen sind immer noch ein sattes Gelb und die weichen moosigen Kissen, in die die Seggen eingebettet sind, werden den ganzen Winter über grün und einladend bleiben.

Hingucker zur Herbstzeit, der Waldtisch © Isabelle Van Groeningen
Autumn eye-catcher forest table

Wenn Sie es in den kommenden Wochen nicht nach Berlin schaffen, dann sollten Sie in einem Wald in Ihrer Nähe spazieren gehen. Spüren Sie den weichen Waldboden unter Ihren Füßen und atmen Sie den einzigartigen feuchten Geruch tief ein. Genießen Sie die vielen schönen kleinen Details, mit denen die Natur sich schmückt.

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.