Winterschnitt von Gehölzen

29. November 2020 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Jahreszeiten, Neuigkeiten, Übers Gärtnern, Winter | Schlagwörter: , , , |

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Winterschnitt - Ahorn freigeschnitten © Isabelle Van Groeningen
Ahorn freigeschnitten

– read the English text – Die Nächte werden kalt, die letzten Blätter fallen von den Bäumen, der Garten kommt zur Ruhe. Es ist Erholungszeit für die Natur und Mensch. Die Pflanzen genießen eine kurze Ruhepause, bevor die neue Saison sie wieder vor neue Herausforderungen stellt. Diese Ruhephase ist ein guter Zeitpunkt um ihre Gehölze einmal genauer in Augenschein zu nehmen. Checken Sie Ihre Gehölze auf Vitalität, Gesundheit und Totholz, und greifen Sie ein mit Schere und Säge wenn eines Ihre Hilfe braucht. Jede Pflanze hat eine ihr ganz eigene Form, wir sprechen auch vom Habitus, in der sie sich am wohlsten fühlt und es hilft der Pflanze, wenn wir ihr ab und an dabei helfen, wieder in geregelte Bahnen zu kommen. Hier einige Tipps zum Winterschnitt.

Entfernen Sie abgestorbene oder geschwächte Triebe, die von der Dürre des Sommers betroffen sind

Winterschnitt - Buddleja © Isabelle Van Groeningen
Buddleja – Jährlicher Rückschnitt um ihm Kompakt zu halten und Licht ins Beet zu bringen

Besonders nach dieser vergangenen Saison könnten einige Pflanzen vom Rückschnitt profitieren. Der Frühling war lang und mild, was sich vorteilhaft auf das neue Wachstum auswirkte und zu einer langen Blütezeit führte. Die lang anhaltende Blütenperiode führte zu einer guten Bestäubung, deren Ergebnisse in diesem Herbst mit einer guten Ernte an Früchten, Nüssen und Beeren sichtbar wurden. Die lang anhaltende Dürreperiode hat dazu geführt, dass einige Pflanzen einen Fruchtabbruch vornehmen mussten oder einen Teil der Triebe nicht mehr versorgen konnten, was zu einem frühen Verlust von Früchten oder zum Austrocknen der Zweige führte. Diese abgestorbenen oder geschwächten Triebe sollten abgeschnitten werden.

Überprüfen Sie früher geschnittene Pflanzen

Nach dem Schnitt reagieren einige Pflanzen entweder mit vielen neuen Trieben oder mit “Wassertrieben”, die vertikal durch die Krone nach oben wachsen. Auf lange Sicht wird ein Baum Schwierigkeiten haben, das Gewicht dieser sich verdickenden und reifenden Äste zu tragen. Sie beeinträchtigen auch die Schönheit der Pflanze.

Benachbarten Pflanzen Licht zur Verfügung stellen

Pfaffenhut- Platz machen! © Isabelle Van Groeningen
Pfaffenhut einmaliger Rückschnitt um Licht und Platz zu schaffen

Wenn Bäume und Sträucher sich etablieren und größer werden, nehmen sie den benachbarten Pflanzen mehr Licht weg. Gelegentlich lohnt es sich zu prüfen, ob Kronen sanft angehoben werden sollten, indem die unteren Äste entfernt werden, oder ob Sträucher zurückgeschnitten oder ausgelichtet werden müssen. In beiden Fällen ist es besser, in mehreren sanften Schritten zu arbeiten und das Gesamterscheinungsbild regelmäßig zu überprüfen. Es geht nur allzu leicht, einen Baum in eine Toilettenbürste zu verwandeln, wenn das Verhältnis zwischen Stamm und Krone ruiniert ist, oder einen asymmetrischen Strauch mit schiefen Seiten zu schaffen.

Die natürliche Form beibehalten

Gärten, in denen alle Sträucher zu charakterlose Puddingen geschnitten werden, sind furchtbar.  Gabriella nennt das zum generellen Verständnis auch gerne den Aldi Parkplatzschnitt, da werden alle Gehölze mit einer Heckenschere höhen- und breitengleich verschnitten. Versuchen Sie, so zu schneiden, dass der Baum oder Strauch sich so weiter entwickeln kann, als ob kein Eingriff stattgefunden hätte. Es geht tatsächlich darum, das Gehölz zu verstehen, also nachzulesen oder schauen, wie ist seine natürliche Form und Persönlichkeit gedacht. Und erst dann können wir entscheiden, wie wir ihm helfen können. Bäume und Sträucher sind individuelle Lebewesen, wobei die Betonung auf Wesen liegt. Sie können ihr Wesen nur in Form Ihres Habitus ausdrücken, und wir können Ihnen dabei helfen diese natürliche Form beizubehalten:

  • Arbeiten Sie von der Spitze eines Astes aus zurück zur Mitte der Pflanze
  • Schneiden Sie an einer Gabel oder einer natürlichen Verzweigung
  • Lassen Sie keine Stummel zurück
  • Wenn Sie bis zum Hauptstamm zurückschneiden, schneiden Sie nicht bündig mit dem Stamm

Wenn Sie genau hinschauen, sieht die Rinde an der Stammverbindung wie runzelige Haut aus. Es ist wichtig, dass Sie nicht über diesen Bereich hinaus schneiden. An diesen kritischen Stellen bauen Bäume eine innere Schutzbarriere auf, so dass wenn ein Ast verrottet, es nicht tief in den Stamm hineingammeln kann. Wenn Sie zu weit schneiden, kann die Pflanze diese lebenswichtige Barriere nicht bilden, und Fäulnis kann tief in den Stamm eindringen.

Wenig aber regelmäßig schneiden

Für  ein Gehölz ist es leichter zu verkraften, wenn regelmäßig kleinere Ästen geschnitten werden als wenn einmal alle 10 Jahre etwas dickes abgesägt wird. Der Grund ist einfach: nach dem Schnitt müssen, genau wie beim Menschen, die Wunden heilen. Und je größer die Wunde, desto länger dauert der Heilungsprozess. Die Schnittstelle wird mit der Zeit wieder mit frischer Rinde (dem Kallus) zuwachsen.

Vorsicht!

Beginnen Sie vorsichtig, und treten Sie regelmäßig ein paar Schritte zurück, um Ihr Werk zu bewundern und die Gesamtform der Pflanze zu betrachten. Es ist immer möglich, ein wenig mehr zu schneiden. Es ist unmöglich, etwas zu reparieren, wenn Sie zu viel geschnitten haben. Es kann viele Jahre dauern, bis ein Baum oder Strauch nach einem schlechten Schnitt wieder eine schöne Form erhält. Manche werden dies nie tun. Mir blutet das Herz, wenn ich durch Berlin fahre und die vielen Bäume betrachte, die Straßen säumen oder in Vorgärten wachsen. Selten sieht man einen Baum, der nicht irgendwann durch rücksichtsloses Zurückschneiden ruiniert worden ist.

Solange es keinen strengen Frost gibt, ist es wunderbar, sich warm einzuwickeln und mit einer guten Gartenschere und einer kleinen Baumsäge hinauszugehen und ein paar Stunden im Garten zu genießen.

Sollten Sie sich diese Tätigkeit nicht selbst zutrauen, lassen Sie doch die schönsten und wichtigsten Gartengehölze von unserem Gartenteam modellieren, damit Sie in den kommenden Monaten ihre bloße architektonische Präsenz genießen können.  Wir helfen Ihnen dabei gern mit unserem Gartenservice, klicken Sie hier für weitere Infos.

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.