Beerenobst für den Garten

21. März 2021 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Jahreszeiten, Sommer, Übers Gärtnern | Schlagwörter: , , , |

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Beerenobst - Fragaria vesca semp- 'Alexandria' © Isabelle Van Groeningen

– Read the English text – Eine der größten Gaumenfreuden ist es, perfekt reifes Obst zu essen, direkt von der Pflanze gepflückt und von der Sonne erwärmt. Zu diesem köstlichen Geschmack gesellt sich das leicht schuldbewusste Vergnügen, etwas leicht Freches zu tun – zumindest war das in meiner Kindheit so. Der Anbau von eigenem Obst bietet die einzigartige Möglichkeit, die Früchte an der Pflanze zu belassen, bis sie reif genug sind, und sie dann direkt von der Pflanze auf den Tisch zu bringen, ohne lange Transportwege, Kühllagerung und langsamen Verfall im Laden. Besonders Beerenobst (wie Himbeeren, Erdbeeren, Johannisbeeren, Blau- und Brombeeren) beginnt zu verderben, sobald sie gepflückt werden. Der andere Vorteil, wenn Sie Ihre eigenen Obstbäume und -sträucher pflanzen, ist, dass Sie Sorten wählen können, die selten im Handel angebaut werden.

Wenn es der Platz erlaubt, können Sie Ihren Obstgarten sorgfältig planen, so dass Sie bis in den Herbst hinein Früchte haben. Es lohnt sich, etwas Zeit zu investieren, um das Thema Beerenobst richtig zu recherchieren und zu planen. Abgesehen von den eigenen Vorlieben und der Verwendung gibt es noch einige andere Punkte zu beachten. Im Internet gibt es eine Menge Informationen. Ich persönlich mag die Schweizer Baumschule Häberli, die auf ihrer Website einen sehr nützlichen, informativen Katalog zur Verfügung stellt, der bei der Planung im Detail hilft.

Welches Beerenobst wollen Sie und wie viel brauchen Sie?

Als wir unseren Garten in England übernahmen, gab es viele Obstbäume und Sträucher. Es war sehr gut geplant, so dass wir das ganze Jahr über frisches Obst hatten. Sehr viel davon. Zu viel davon. Wir pflückten, aßen, kochten und froren es ein. Desserts, Marmeladen, Chutneys, abgefüllt, eingefroren. Wenn die Ernte des nächsten Jahres begann, aßen wir immer noch die des Vorjahres. Man sollte nicht zu einem Sklaven davon werden. Mit der Zeit hatten wir mehr Vögel, und das Problem löste sich von selbst. Wollen Sie nur das Vergnügen haben, gelegentlich eine Schale voll Obst zum Frühstück oder als Nachtisch zu pflücken, oder wollen Sie ernsthafte Mengen an Marmeladen und Gelees herstellen. Wie groß ist Ihre Familie, wie viel verbrauchen Sie?

Krankheitsresistenz und lokales Klima

Da die meisten Gärtner ohne den Einsatz von Pestiziden gärtnern wollen, ist die Krankheitsresistenz ein großes Thema geworden. Es kommen immer mehr neue Sorten auf den Markt, die besser mit den verschiedenen Schädlingen oder Krankheiten zurechtkommen, die Ihre Pflanzen befallen können. Wenn Sie in einem Gebiet mit besonders schwierigem Klima leben (extrem heiße, trockene Sommer, lange kalte Winter, Spätfröste und auch große Höhenlagen), lohnt es sich, nach regionalen Sorten Ausschau zu halten. Sie sind viel besser auf die örtlichen Gegebenheiten eingestellt.

Fremdbestäubung bei Beerenobst

Viele Früchte entwickeln deutlich mehr Ertrag, wenn sich in der Nähe eine andere Sorte befindet, die zur Fremdbestäubung beiträgt. Die Natur installiert lieber eingebaute Mechanismen, die Pollen von anderen Pflanzen fördern, als ihre eigenen zu verwenden. Äpfel zum Beispiel sind selbststeril und können nicht von ihrem eigenen Pollen bestäubt werden. Es gibt spezielle Referenztabellen, die erklären, welche Äpfel zur gegenseitigen Bestäubung verwendet werden können. Pflanzen Sie alternativ einen Zierapfel: Sie haben eine lange Blütezeit und können eine Vielzahl von Sorten bestäuben. Auch Blaubeeren bringen eine viel bessere Ernte, wenn Sie zwei oder drei Sorten zusammen pflanzen.

Obst in kleinen Gärten und auf Balkonen oder Terrassen

Auch wenn Sie nur wenig Platz haben, gibt es einige clevere Möglichkeiten, Obst anzubauen. Hochstämme bedeuten, dass die Pflanze auf einem Stamm wächst, wodurch mehr Platz für andere Pflanzen an der Basis bleibt.  Die Ernte wird nicht so groß sein, aber immer noch besser als gekauft, und ist rückenschonend zu ernten! Beerenobst wie Johannisbeeren und Stachelbeeren können auf diese Weise angebaut werden. Wenn Sie eine Mauer oder einen Zaun haben, nutzen Sie diesen, um eine der rankenden Früchte wie Himbeeren, Brombeeren oder Taybeeren daran festzubinden. Leiten Sie eine Kiwi über die Pergola.  Spätsommerfruchtende Erdbeeren wie ‘Mara des Bois’ sind nicht so anspruchsvoll wie schwerere, normale Erdbeeren und können anstelle einer Hecke gepflanzt werden, um ein Blumen- oder Gemüsebeet einzurahmen, oder man pflanzt sie an die Basis von im Container wachsenden Bäumen. Säulenförmige Obstbaumsorten haben einen extrem schlanken, aufrechten Wuchs, was sie perfekt für einen kleinen Raum wie eine Terrasse oder einen kleinen Stadtgarten macht. Eine andere Möglichkeit, einen Obstbaum kompakt zu halten, ist, ihn als Spalier zu ziehen. Diese sind sowohl sehr dekorativ als auch praktisch und können gleichzeitig als Raumteiler oder Sichtschutz in einem Garten verwendet werden.

Obstkäfige oder Netze

Obstkäfig West Green © Isabelle Van Groeningen
Obstkäfig West Green

Es ist unvermeidlich, dass Sie Ihr Obst mit Vögeln teilen müssen, was sehr ärgerlich sein kann. An dem einen Tag ist es da, am nächsten ist es weg, gerade dann, wenn man sich darauf vorbereitet und gefreut hat. Wir haben früher Netze über die Himbeeren geworfen, was recht hilfreich war, wenn sich nicht die Vögel oft in den dünnen Nylondrähten verfangen hätten. Eine effektivere Methode ist der Bau eines Obstkäfigs. Es lohnt sich, Geld und Zeit in den Bau einer richtigen, dauerhaften Konstruktion aus Holz oder Metall mit Netzen zu investieren. Sie wird viele Jahre lang für Ruhe und gute Ernten sorgen. Alternativ können Sie die Vögel täuschen, indem Sie Sorten mit weißen oder gelben Früchten wählen. Sie entdecken irgendwann, dass sie reif sind, aber auch Sie müssen sich mit der Vorstellung anfreunden, blasse Früchte zu essen. Denken Sie auch daran, dass gerade die tiefdunkelrote Farbe der Früchte die wertvollen Polyphenole enthält, die besonders gesundheitsfördernd sind!

Boden und Sonnenlicht

Es lohnt sich, für einen guten, fruchtbaren Boden zu sorgen, um eine reiche Ernte zu haben. Geben Sie Kompost und Mykorrhiza (außer bei den Heidelbeeren) in das Pflanzloch. Sonnenlicht hilft den Früchten, zu reifen und einen höheren Zuckergehalt und mehr Farbe zu entwickeln. Daher ist es am besten, Obst an einem sonnigen Standort zu pflanzen. Wo es nur Morgen- oder Nachmittagssonne gibt, pflanzen Sie Stachelbeeren, Brombeeren, Himbeeren und Heidelbeeren. Sie kommen nicht nur mit einem etwas schattigeren Standort zurecht, sind auch weniger anspruchsvoll was den Boden angeht. Heidelbeeren benötigen einen sauren Boden.

Erntesaison (nicht nur) Beerenobst

Heutzutage gibt es von jeder Obstsorte viele Sorten auf dem Markt. Geschmack, Größe, Form und Farbe können sich unterscheiden, manche tragen mehr Früchte als andere, manche blühen und fruchten früher, andere später.

Rhabarber:

Die erste Pflanze, die die Saison eröffnet, ist Rhabarber. Streng genommen handelt es sich nicht um eine Frucht, da man die Blattstiele isst. Normalerweise können sie ab April geerntet werden. Wenn Sie einen Rhabarber-Topf darüber stülpen, kommen sie früher ins Wachstum und versorgen Sie mit zarten, rosa Stängeln. Bis Mitte Juni können pro Woche zwei Stiele pro Pflanze vom äußeren Rand der Pflanze abgezogen werden. Danach sollte man die Pflanze in Ruhe lassen, damit sie ihre Kraft für die nächste Saison wieder aufbauen kann. Sie mögen einen fruchtbaren Boden, der oft in der Nähe des Komposthaufens zu finden ist. Entfernen Sie blühende Stängel, um die Energie in der Pflanze zu halten.

Erdbeeren:

Beerenobst - Fragaria vesca semp- 'Alexandria' © Isabelle Van Groeningen
Fragaria vesca semp- ‘Alexandria’

Erdbeeren müssen alle paar Jahre neu gepflanzt werden, planen Sie also ein alternatives Beet, z. B. ein Gemüsebeet, das Sie wechseln können. Die Saison beginnt gegen Ende Mai und geht bis in den Herbst hinein. Die alte köstliche Sorte ‘Gariguette’ zum Beispiel beginnt Ende Mai zu reifen, während ‘Nerina’ oder ‘Saint Pierre’ bis Mitte Juli reifen. Es gibt auch Sorten, die den ganzen Sommer über bis in den Herbst hinein reifen, wie z. B. die Monatserdbeere ‘Alexandria’ und ‘Mara des Bois’. Diese langlebigen Sorten liefern zwar regelmäßig kleine Mengen für einen Obstsalat oder ein Müsli, eignen sich aber nicht als Marmeladensorte, da sie nicht die benötigte Menge auf einmal liefern.

Himbeeren:

Beerenobst - Ribes idaeus 'Zefa Herbsternte' © Isabelle Van Groeningen
Ribes idaeus ‘Zefa Herbsternte’

Je nach Sorte können diese zwischen Anfang Juni und Mitte Oktober gepflückt werden. Die Sommersorten sind im Juni-Juli bereit, während die meisten Herbstsorten nicht vor Anfang bis Mitte August reif werden. Wie bei den Späterdbeeren erntet man die Herbstsorten wie ‘Zefa Herbsternte’ kontinuierlich über einen längeren Zeitraum, aber in kleineren Mengen. Vermeiden Sie das Mischen von sommer- und herbstfruchtenden Sorten in einem Beet. Die Ruten, die bei den sommerfruchtenden Sorten Früchte trugen, müssen nach der Ernte im Sommer herausgeschnitten werden, um Platz für die neuen Ruten zu schaffen, die im nächsten Jahr Früchte tragen werden. Die herbstfruchtenden Sorten müssen im Frühjahr zurückgeschnitten werden, bevor sie zu wachsen beginnen.

Stachelbeeren:

Beerenobst Ribes Uva-crispa 'Resistenta' © Isabelle Van Groeningen
Beerenobst Ribes Uva-crispa ‘Resistenta’

Stachelbeeren eignen sich hervorragend für Desserts und Gelees. Die Farben variieren von Grün, über Gelb, Rot und sogar dunklem Weinrot. Die meisten roten Sorten reifen später, ab Mitte Juli bis in den August hinein. Wenn Sie die spitzen Stacheln nicht mögen, probieren Sie die dornenlose grüne ‘Franziska’, die von Anfang Juni bis in den Juli hinein reift, gefolgt von der dunklen Sorte ‘Rania’, die bis Mitte August geerntet werden kann. ‘Resistenta’ ist besonders Mehltau resistent. Die Jostabeere ist eine Kreuzung aus Stachelbeere und schwarzer Johannisbeere.

Johannisbeeren:

Beerenobst - Rote Johannisbeere 'Jonkheer van Tets' © Isabelle Van Groeningen
Rote Johannisbeere ‘Jonkheer van Tets’

Einige schwarze Johannisbeeren können von Ende Juni bis Anfang August geerntet werden. Weiße Johannisbeeren reifen von Anfang Juli bis Anfang August. Rote und rosa Johannisbeeren beginnen meist Anfang Juli, wobei die Sorte ‘Rovada’ bis in den späten August hinein geerntet werden kann. Ein alter, zuversichtlicher Klassiker ist ‘Jonkheer van Tets’.

Blaubeeren:

Die wilden sind köstlich, aber mühsam zu pflücken. Es gibt eine Reihe von größeren Sträuchern, die größere Früchte tragen und leicht zu kultivieren sind. Ihre Erntesaison reicht von Juli bis September. Es gibt sogar eine zweimal fruchtende Sorte ‘Hortblue Petite’, die von Mitte September bis Mitte Oktober erneut Früchte trägt. Blaubeeren haben den zusätzlichen Bonus einer guten Herbstfärbung wie Vaccinium ‘Goldtraube’.

Brombeeren:

Es gibt eine immer größer werdende Auswahl an Verwandten der Brombeere. Gezüchtete Brombeeren haben oft den Vorteil, dass sie mehr oder weniger dornenlos sind, was das Pflücken angenehmer macht. Achten Sie auf ihren Geschmack, denn meiner Meinung nach geht nichts über wilde Brombeeren, auch wenn sie viel kleiner sind als die kultivierten. ‘Nessy’ ist ein Klassiker, der aus Schottland stammt (dort gibt es ein gutes Anbauklima für Himbeeren und Brombeeren) und einen hervorragenden Geschmack hat.

Die Kreuzung aus Brombeere und Himbeere, die Tay-Beere, ist eine beliebte, schmackhafte Alternative. Die Boysenbeere ist eine Kreuzung zwischen Brom-und Loganbeere mit einem köstlichen Aroma.

Kiwi:

Beerenobst Kiwi © Isabelle Van Groeningen
Kiwi

Diese kräftige Kletterpflanze braucht Platz wie eine Pergola oder ein großes Spalier, an dem sie sich entlangschlängeln kann. Normalerweise sind Kiwis zweihäusig, d.h. Sie müssen eine männliche Sorte pflanzen, damit die weiblichen Früchte bestäubt werden und Früchte tragen können. Es gibt einige Ausnahmen: Die Kleinbeeren-Kiwi Actinidia arguta ‘Issai’ trägt männliche und weibliche Früchte. Bei den normalen Kiwis ist es Actinidia deliciosa ‘Solissimo’, die beides an einer Pflanze hat.

Guten Appetit!

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.