Kaiserliche Kaiserkronen

11. April 2021 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Frühling, Jahreszeiten, Neuigkeiten, Pflanzen | Schlagwörter: , , |

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Fritillaria imperialis 'Rubra' © Isabelle Van Groeningen

– read the English text – Keine Frühlingsblume ist beeindruckender als die Kaiserkrone: Fritillaria imperialis (Bild oben: Fritillaria imperialis ‘Rubra’). Lange Zeit in orientalischen Gärten beheimatet, ist sie bereits seit dem 16. Jahrhundert ein Blickfang in westeuropäischen Frühlingsgärten. Damals wurde sie erstmals aus der Türkei nach Wien eingeführt. Die Kaiserkrone entwickelte sich schnell zu einer der beliebtesten Gartenpflanzen in ganz Europa, die in etwa dreißig verschiedenen Formen auftritt, von denen die meisten heute nicht mehr kultiviert werden. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Türkei ostwärts über den Iran und Irak, Afghanistan und Pakistan bis nach Kaschmir. Sie ist vielleicht das auffälligste, aber bei weitem nicht das einzige gartenwürdige Mitglied dieser Gattung.

Die Gattung Fritillaria – Kaiserkrone

Die Kaiserkrone gehören zu einer faszinierenden Gattung von etwa 100 verschiedenen Zwiebelgewächsen, die mich schon immer fasziniert haben, da sie in ihrer Ungeschicklichkeit wunderschön sind. Viele sind anspruchsvolle, intensive Pflegekandidaten, einige sind sehr gartenfreundlich. Sie haben oft einen etwas kantigen Wuchs und gedeckte Farben von graugrün über bräunlich bis hin zu dunklen Pflaumentönen. Es gibt kurze, plumpe Exemplare wie F. michailovskyi oder hohe, schlanke wie F. acmopetala.

Fritillaria meleagris

Die wohl bekannteste Art ist die Schachbrettblume Fritillaria meleagris. Diese Kaiserkrone ist in weiten Teilen Nordeuropas beheimatet. Das Band streckt sich von Großbritannien über Nordfrankreich, Südbelgien, Deutschland und noch weiter östlich bis nach Osteuropa. Sie bevorzugen feuchte Wiesen und gedeihen im Grasland. Wo wir früher in England lebten, gibt es gibt eine Schachbrettblumenwiese. Oft ging man über die Wiese und sah keine einzige Blume, bis einem plötzlich eine ins Auge fiel. Dann noch eine, und dann bemerkte man plötzlich Hunderte. Sie sind Meister der Tarnung, ihr schmales Laub ist nicht viel breiter als ein Grashalm. Die eckigen, kastanienbraunen oder weißen Blüten haben ein einzigartiges Schachbrettmuster, das sie den Eiern des Kiebitzes ähneln lässt. Sie wachsen auch im Halbschatten in einem Beet oder im Rasen, solange dieser im Sommer nicht zu trocken ist.

Fritillaria persica

Eine der elegantesten aller Arten, die einen bis zu etwa einem Meter hohen Stängel bildet, der mit bläulichem Laub bekleidet ist und zahlreiche elegante, glockenförmige Blüten von fast schwarzvioletter Farbe trägt, die von einer silbrig-blauen Schicht überzogen sind. ‘Ivory Bells’ ist eine elegante, grünlich-weiße Variante der Kaiserkrone. Sie wächst wild in höheren Lagen auf fruchtbarem Boden an felsigen Hängen in Zypern, der Türkei, dem Iran und Syrien. Sie ist recht winterhart, mag aber keine übermäßige Nässe.

Fritillaria imperialis

Diese erscheinen im Frühling mit viel Tamtam. Viel größer als alle anderen Frühjahrsblüher sorgen sie dafür, dass niemand ihre leuchtenden Farben in Gelb-, Orange- oder Orangerottönen übersieht, die in keinem Garten fehlen dürfen. Meist werden sie bis zu 1 oder sogar 1,2 Meter hoch, gelegentlich auch mehr. Aus einer großen, runden Zwiebel entspringt ein dicker Stiel, der bis zu etwa zwei Drittel mit glänzend hellgrünen Blättern bedeckt ist. Der obere Teil bleibt frei von Blättern. An der Spitze hängen bis zu 6 große Glocken herab, über denen eine weitere Krone aus glänzenden Blättern wie eine Ananas erscheint.

Die normale Wildform ist orange. Für mehr Wirkung hat F. imperialis ‘Rubra’ dunkle Stiele und etwas dunklere, rötliche Blüten und erreicht 90 cm. F. imperialis ‘Rubra Maxima’ ist ähnlich, wird aber bis zu 1,20m hoch.

F. imperialis ‘Lutea’ blüht gelb, 90cm, F. imperialis ‘Lutea Maxima’ gelb, erreicht 1,20m.

Es gibt einen orangefarbenen Typ, bei dem ein zweiter Satz Blüten über den unteren Blüten erscheint, bekannt als ‘Prolifera’ oder ‘Kroon op Kroon’ (Krone auf Krone).

Es gibt auch panaschierte Sorten mit gelben Rändern im Laub, die jedoch selten zum Verkauf angeboten werden und schwieriger zu züchten sind.

Fritillaria raddeana

Fritillaria raddeana © Isabelle Van Groeningen
Fritillaria raddeana

Die Kaiserkronen sind nicht die einzigen, die zu dieser Jahreszeit die Show stehlen: Fritillaria raddeana hat sich ihren Weg in mein Leben gebahnt. Für diejenigen, die leuchtende Farben scheuen, ist dies eine sehr auffällige Alternative, der der starke Fuchsgeruch fehlt, den die Kaiserkronen haben. Etwas kleiner und kompakter, blüht diese Pflanze früher mit hellgelblich-grünen, glockenförmigen Blüten, mit dunkelbronzefarbenem Stiel und Laub. Man findet sie in der Türkei, Iran, Turkmenistan und Kaschmir wild wachsend. Sie ist eine anspruchslose Gartenpflanze, die einen Platz im Beet zwischen anderen Frühlingszwiebeln wie z.B. Tulpen durchaus verdient.

Neue Hybriden der Kaiserkrone

In den letzten Jahren ist eine Reihe interessanter Hybriden auf den Markt gekommen. Sie scheinen Eigenschaften der imposanten Kaiserkrone zu haben, kombiniert mit der früheren Blüte von F. raddeana und ihren attraktiven Details wie den dunklen Stielen und dem bronzefarbenen Laub. Fritillaria ‘Early Sensation’ ist eine neue Hybride, die das Beste aus beiden Welten vereint: Sie ist etwas kräftiger wachsend als F. raddeana, bringt aber das grünliche Farbspektrum in die Blüte. Sie hat ein warmes, kupferfarbenes Grün, mit sehr attraktivem, dunklem Laub, das gerade jetzt ein echter Hingucker im Beet ist. Ein naher Verwandter, den ich vor einigen Jahren erstmals als Schnittblume entdeckte, ist F. ‘Early Fantasy’. Sie hat eine zart orangefarbene Blüte und einen dunklen Stiel. Wie ‘Early Sensation’ blüht sie früher und ist kompakter als die alten F. imperialis-Sorten.

Kultivierung der Kaiserkrone

Diese großen Zwiebeln werden im Herbst am besten auf die Seite gepflanzt: Der Blütentrieb der Kaiserkrone kommt aus der Mitte der großen, dicken Zwiebel und hinterlässt beim Absterben eine hohle Röhre. Wenn man sie auf der Seite pflanzt, verhindert man, dass sich in dem Hohlraum Wasser sammelt, was zu Fäulnis in der Zwiebel führen könnte. Sie müssen mindestens 20 cm tief gepflanzt werden, in einem gut durchlässigen Boden.

Fritillarien haben wenige Feinde. Da sie zur Familie der Liliengewächse gehören, sind sie leider auch anfällig für den leuchtend roten Lilienkäfer, der innerhalb weniger Tage die Blätter abstreifen kann. Halten Sie also die Augen offen und entfernen Sie sie, sobald Sie sie entdecken. Ihr penetranter fuchsartiger Geruch, den manche nicht mögen, andere aber schätzen, soll Wühlmäuse und Maulwürfe auf Abstand halten. Ich kann nicht behaupten, dass ich einen positiven Effekt bemerkt habe.

Ich genieße den Beginn der Fritillaria-Saison und ihre große Vielfalt. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass es sich lohnt, ein wenig mehr zu investieren und mehr als nur eine Zwiebel zu kaufen, da eine Gruppe von ihnen oder eine Einstreuung zwischen Tulpen einen einprägsamen, beeindruckenden Effekt erzeugt.

Halten Sie Ausschau nach ihnen!

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Isabelle Van Groeningen

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.