Spezies Tulpen, attraktives Laub und besonders elegante Knospen

25. April 2021 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Jahreszeiten, Pflanzen, Zwiebeln | Schlagwörter: , |

Beitrag Drucken
Tulpen - Unsere Zwiebelsichtung kommt in Fahrt © Isabelle Van Groeningen

– read the English text – Seit ich in Berlin lebe, habe ich Tulpen “entdeckt”. Nicht, dass ich sie vorher nicht gekannt hätte, aber sie scheinen sich hier besonders wohl zu fühlen. Die kalten Winter machen ihnen nichts aus und die heißen, trockenen Sommer kommen ihrer Ruhephase sehr entgegen. Durch die rasche Erwärmung im Frühjahr ergibt sich ein nahtloser Übergang vom Frühling in den Sommer. Wenn die letzten Tulpen blühen, beginnen die ersten Stauden wie Aquilegia und Katzenminze. Ich liebe es, die hunderte von Tulpen inmitten der Stauden zu sehen. Sie setzen einen großen Farbtupfer und ich weiß, dass das Beet von diesem Zeitpunkt an bis Ende November nicht mehr aufhören wird zu blühen, bis die letzte Aster ‘Lady in Black’ verblüht ist. Es ist eine Sensation, auf die ich mich jedes Jahr freue.

In diesem Jahr hat meine Tulpenliebe eine ganz neue Dimension angenommen. In den letzten Wochen konnte ich viele von ihnen aus nächster Nähe beobachten. Wir haben eine dreistöckige Bühne gebaut, auf der eine große Auswahl unserer Frühlingszwiebeln in Töpfen ausgestellt ist. Jeden Tag besuche ich diese Inszenierung, denn jeden Tag entdecke ich neue Details. Mir ist klar geworden, wie viele Feinheiten ich übersehe, wenn sie im Beet inmitten der anderen Pflanzen in Massen stehen.

Attraktives Blattwerk von Tulpen

Bis jetzt dachte ich immer, dass Tulpen ein relativ breites Blatt mit einer matten Textur in einer blassen, leicht graugrünen Farbe haben. Die Mehrheit hat tatsächlich solche Blätter, aber gerade die Wildtulpen haben ein viel vielfältigeres Laub. Viele neigen dazu, schmalere, oft eher graugrüne, zarte Blätter zu entwickeln. Sehr elegant und zart wirkt die Erscheinung der bezaubernden Damentulpen, Tulipa clusiana, mit ihren schlanken, kaum 1 cm breiten Blättern. ‘Honky Tonk’, eine faszinierende, seidig blass-zitronengelbe Sorte mit einer leichten Rosafärbung auf der Rückseite der Blütenblätter, hat ähnlich schmale, gräuliche Blätter. Tulipa polychroma ist eher grau. Eine Farbe, die gut zu den zarten Blüten passt (siehe unten), während die duftende, rosa-mauve Tulipa saxatilis dichtes, glänzendes, viel aufrechteres, mittelgrünes Laub hat, das sehr früh erscheint.

Rot gemusterte Blätter

Die aus Kasachstan stammenden Greigii-Tulpen sowie die Kaufmanniana-Typen haben oft eine markante braunrote Zeichnung auf ihrem breiten Laub, die einer Pflanzung eine dekorative Note verleiht. Sie blühen früh, meist 25 – 30 cm hoch und öffnen ihre Blüten wie ‘Red Ridinghood’ und ‘Show Winner’ weit, sobald die Sonne scheint. Sie sind ideal für Steingärten und Kübel, wo sie das rote Laub von Heuchera ‘Palace Purple’ oder rotblättriger Günzel gut ergänzen.

Buntes Laub

Einige Sorten wie die blassrosa Viridiflora Tulpe ‘China Town’ haben eine cremefarbene dünne Linie am Blattrand. Ich persönlich bin kein großer Fan von panaschiertem Laub, da es in einem Beet oft für Unruhe sorgt, aber natürlich ist es im Topf, für sich allein, ein zusätzlicher Bonus.

Tulpen haben interessante Nasen

Ich liebe Pflanzen mit einer guten Nase. Wenn sie aus dem Erdboden kommen, begrüße ich das erste Zeichen jeder Pflanze mit Freude. Wenn diese Nase einen dekorativen Wert hat, macht sie diese erste Begegnung der Saison noch erfreulicher. Einige der Tulpensorten haben in den ersten Wochen eine ausgeprägte rötliche Färbung. ‘Orange Princess’, eine gefüllte späte Sorte, mit grüner Färbung auf der Rückseite der Blütenblätter kommt mit pinkfarbenem Laub daher.

Schöne Knospen

Bei meinen täglichen Inspektionen der frühen Narzissen habe ich die Entwicklung der Blütenknospen der frühen Tulpen beobachtet.

Lieblings-Tulpen

Tulipa polychroma

Tulipa polychroma war die erste, die in Knospen kam. Was für ein Vergnügen: Die Rückseite der drei Blütenblätter, die die Knospe umschließen, hat eine zart gezeichnete grau-grün-violette Färbung als wäre sie mit Bleistiften koloriert, die sich zu weißen Blüten öffnet.

Tulipa humilis

Als nächstes kommen die kleinen botanischen Sorten von Tulipa humilis zum Einsatz. Tete-a-Tete’ hat mehrere dicht gefüllte Blüten pro Stiel, aber diese sitzen tief im Laub und es fehlt die luftige Eleganz, die die meisten Tulpen haben. Als nächstes kam T. humilis ‘Helene’, deren äußere Blütenblätter den inneren ähnlich sind, bis auf ein paar sehr feine dunkelblaue Linien, die an der Basis des Blütenblattes zusammenlaufen. T. humilis ‘Persian Pearl’ hingegen ist viel attraktiver, mit ihren tiefvioletten Blüten, deren äußere Blütenblätter graurosa mit grünlich-violetter Aderung und violettem Rand sind. Sie rollen sich zurück, um die satte violette Färbung der inneren Blütenblätter zu enthüllen.

Tulipa batalinii

Diese bezaubernde Reihe von Wildtulpen gibt es in einer schönen Farbpalette von zartem Apricot, Lachs und Schwefelgelb. Da sie kaum 10 cm hoch werden, müssen sie dort platziert werden, wo sie auch gesehen werden: im Vordergrund eines Steingartens oder in einem Topf. Die Knospen von ‘Salmon Gem’ beginnen weiß, erröten in zarten Rosatönen mit einer grünlichen Basis, die eine warme Lachsfarbe offenbart. ‘Bronze Charm’ hat außen eine wärmere Kupferfarbe, innen ein weicheres Gelb. Der Außenseiter in dieser Serie ist ‘Red Gem’ mit leuchtend scharlachroten Blüten.

Tulipa praestans

Während viele der Speziestulpen einen etwas delikaten Eindruck machen, sind diese robusten, langjährigen Tulpen von mir sehr geschätzt. T. praestans ‘Fusilier’ mit ihren leuchtend roten 2 – 3 Blüten pro Stiel zieht schon von weitem die Blicke auf sich. Sie gedeiht schon seit Jahren in meinem schattigen Garten und wird von Jahr zu Jahr immer größer. Durch die kühlen Temperaturen hat sich die Blüte in diesem Jahr besonders lange gehalten. Wenn Sie solch kräftige Farben scheuen, dann ist die Sorte ‘Shogun’ genau das Richtige für Sie: Die zart apricot-orangefarbenen Blüten färben sich zum Ende der Blütezeit hin rot.

Tulipa Clusiana

Die Damentulpen haben sich längst einen Platz unter meinen absoluten Lieblingstulpen erobert. Mit ihren 20 – 30 cm hohen, schlanken Stielen, dem schmalen Laub und den schlanken, spitzen Knospen, die eine ganz andere Innenfarbe zeigen, sind sie die eleganteste aller Tulpen. In der Knospe sind sie rosarot mit reinem Weiß im Inneren (‘Peppermint Stick’), rot mit zartes zitronengelb (‘Cynthia’), warmrot mit goldgelb (T. clusiana var. chrysantha) und warmrot und gelb (T. clusiana var. chrysantha ‘Tubergen’s Gem’). Im Gegensatz zu den meisten anderen Tulpen bevorzugen diese feuchte Wiesen, was sie geeigneter macht, wenn Ihr Boden/Klima für die meisten anderen zu nass ist.

Tulipa whitalii

Diese warm-orangefarbene, runde Tulpe hat Knospen, die sich von Goldorange in Schattierungen von Rosa, Orange, Gelb und ein wenig Grün an der Basis verändern, bevor sie sich öffnen und fast becherförmige, warm-orangefarbene Blüten enthüllen.

Tulipa sylvestris

Vielleicht nicht die aufregendste aller Knospen, aber ungewöhnlich verspielt ist die Weinbergtulpe Tulipa sylvestris. Diese Tulpenart, die sich gut einbürgern lässt, hat rot gespitzte grüne Knospen, die leicht nach vorne nicken wie ein Schwanenhals. Diese öffnen sich zu goldgelben Blüten mit spitzen Blütenblättern. Ich habe mich während eines Praktikumssommers in einer schottischen Gärtnerei in meiner Studentenzeit in diese Tulpe verliebt und liebe sie immer noch sehr.

Tulipa acuminata

tulipa acuminata

Diese außergewöhnliche Tulpe ist wie keine andere. Sie erreicht eine Höhe von ca. 50 cm, hat lange, schmale, sich drehende Blätter, gekrönt von einer spinnenartigen Blüte. Sie hat eine einzigartige schlanke Form und sehr lange, schmale, spitz zulaufende Blütenblätter in Gelb, meist rot gestreift. Sie sind wie keine andere!

Tulipa sprengeri

Tulipa sprengeri
Tulipa sprengeri

Während Sylvestris und die Clusianas zu meinen persönlichen Top 10 gehören, steht diese Tulpe ganz oben auf der Liste. Sie stammt aus der Türkei und ist die letzte aller Tulpen, die Ende Mai bis Anfang Juni blüht. Etwa 40 cm hoch, hoch über grünem Laub erscheint eine lange, schlanke Knospe mit grünlich-ockerfarbener Färbung, die fast wie Goldstaub aussieht. Sie bildet Samen und verwildert, verträgt sogar lichten Schatten. Die Knospen öffnen sich zu sehr eleganten schlanken scharlachroten Blüten. Leider wird sie nur selten zum Verkauf angeboten, und wenn, dann zu einem hohen Preis.

Die genaue Herkunft vieler dieser Tulpen ist nicht bekannt. Seit Hunderten von Jahren kultivieren die Menschen sie in ihren Gärten und haben sie mit anderen hybridisieren lassen und in ihren Gärten eingeführt. So sehr, dass einige ganz aus der natürlichen Landschaft verschwunden sind, während andere über die Gartenmauer entwichen und Teil der natürlichen Landschaft wurden. Wo auch immer sie herkommen: alle sind bezaubernd und bringen große Freude in dieser frühen Jahreszeit. Notieren Sie sich, im nächsten Herbst einige dieser Schätze in Ihren Garten oder in Ihre Töpfe zu pflanzen. Oder noch besser: Bestellen Sie jetzt in unserem Online-Shop und genießen Sie den Frühbucherrabatt!

Beitrag Drucken

Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.