Iris

09. Mai 2021 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Frühling, Neuigkeiten, Pflanze im Spotlight, Pflanzen | Schlagwörter: , , , |

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Iris sibirica 'Strandperle' © Isabelle Van Groeningen

Read the English text – Obwohl draußen die Narzissen immer noch blühen, und die Tulpenzeit gerade erst begonnen hat, habe ich die ersten Schwertlilien schon gesichtet.

Es sind nicht die ersten Iris, die blühen. Die zarte Iris unguicularis, die trocken-liebende winter-blühende Kretische Iris* hat den letzten Winter gut überlebt, an einer geschützten Stelle an einer Südwand. Im Sommer sind sie beschattet von Kübelpflanzen, aber das scheint sie nicht zu stören. Auch die kleinen frühlingsblühenden Schwertlilien, wie die gelbe Iris danfordiae (Gelbe Zwerg-Iris) und die verschiedenen I. reticulata** (Netzblatt-Iris) wie ‘Harmony’ und ‘J.S. Dijt’ sind langblühend. Diese knolligen Arten kauft man am besten im Herbst als Zwiebeln und pflanzt sie in Töpfe, Steingärten oder trockenere Wiesen mit guter Drainage.

Es ist eine große Gattung mit fast 300 verschiedenen Arten und hunderten von Kultivaren, mit sehr ausgeprägten Typen, die sich für eine Vielzahl von Umgebungen eignen. Einige wachsen gerne im oder am Wasser, wie die Sumpfschwertlilie (Iris pseudacorus) und die Japanische Sumpfschwertlilie (Iris ensata), in feuchten Wiesen (Iris sibirica), während andere, wie Iris barbata, die Bart-Iris***, an sonnige, trockene Bedingungen angepasst sind. Im Gegensatz dazu wächst die Iris foetidissima oder Winterschmuckiris an trockenen, schattigen Plätzen. Weil die Bart-Iris so glamourös und attraktiv ist, neigt sie dazu, die Show zu stehlen. Aber es gibt noch einige andere, die Aufmerksamkeit verdienen. 

Iris barbata naturalised in southern France © Isabelle Van Groeningen
Iris barbata ausgewildert in Südfrankreich

Es gibt zwei leicht zu züchtende Schwertlilien, die ich für den Garten besonders nützlich finde. Nicht, dass die Bart-Iris wählerisch wäre, aber ihr Auftritt auf der Blütenbühne kommt mit großer divenhafter Dramatik daher, während die Sibirische Schwertlilie ein zuverlässiger, dekorativer Gartengast ist. Iris foetidissima ist wahrscheinlich eine der am wenigsten bekannten Arten, ist aber wertvoll, da sie dort wächst, wo sich nur wenige andere Pflanzen gerne aufhalten: in schattigen, oft trockenen Waldrändern.  

Iris sibirica

Die grasartigen, schmalen Blätter der Sibirischen Schwertlilie können bis zu 80 cm groß werden. Darüber wachsen die oft verzweigten Blütenstängel, die je nach Sorte bis zu 1,20cm hoch werden können. Sie ist eine elegante, schlanke, aufrechte Staude, die sich gut in einem frühsommerblühenden Beet oder in einer Blumenwiese macht. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von weiten Teilen Mitteleuropas bis nach Zentralasien und Sibirien, wo sie in feuchten Wiesen wächst.  Ich mag diese Pflanzen sehr gerne, da sie einen langanhaltenden Blickfang darstellen. Die Blütenknospen sind in rötlichen, papierartigen Hüllen eingeschlossen, die sehr attraktiv sind. Nach der Blüte setzen die meisten Sorten Samen an und bilden einen ca. 4 cm langen, aufrechten Samenstand. Diese trocknen ein und verbleiben an der Pflanze, bis diese sie am Ende des Winters entfernen und der neue Austrieb beginnt. Diese hohlen Kapseln sind ein ideales Insektenrefugium für die Wintermonate. Es gibt zahlreiche Sorten im Handel, die von dunkelviolett über hellblau bis hin zu weiß und gelb reichen. Ein Favorit ist ‘Caesar’s Brother’, ebenso wie ‘Cambridge Skies’.

Die Rhizome entwickeln einen dichten Wurzelballen, der gelegentlich ausgehoben und geteilt werden muss, da die Pflanze sonst ein totes Mittelstück bekommt. 

Iris sibirica must be divided every 5-6 years © Isabelle Van Groeningen
Iris sibirica muss alle 5-6 Jahre geteilt werden

Iris foetidissim

iris foetidissima 'Citrina' © Isabelle Van Groeningen
iris foetidissima ‘Citrina’

Die Stinkende Schwertlilie, oder netter bekannt als Winterschmuckiris ist eine in Europa heimische Pflanze mit breiten, meist immergrünen Blättern, die etwa 60 cm hoch werden. Die Blüten erscheinen im Frühsommer und sind leicht zu übersehen. Sie sind eher blasslila und cremefarben. Die Form ‘Citrina’ ist schwefelgelb und wesentlich auffallender. Warum denke ich, dass dies eine wertvolle Pflanze ist, wenn die Blüten unbemerkt bleiben? Weil man ab dem Spätsommer plötzlich innehält, wenn die großen Samenschoten aufplatzen und leuchtend orange-rot glänzende Samen zum Vorschein kommen, die sehr dekorativ sind. Dieser Farbtupfer in trockenen, schattigen Bereichen, wo zu dieser Jahreszeit alles nur müde und dürr ist, ist ein echter Leckerbissen und ein großartiger Begleiter zum Gelben Aronsstab (Arum maculatum), dessen orangefarbene Samen in der Spätsaison ebenso attraktiv sind. Beide liefern großartiges Laub, das in der kalten Jahreszeit gut mit Farnen kontrastiert, und kommen gut mit trockenen, schattigen Bedingungen zurecht. 

Iris ensata

Die Japanische Sumpfschwertlilie ist eine weitere Art, die einen dichten Klumpen von Rhizomen bildet, aus denen etwa 80-100cm große, schmale, grüne Blätter hervorgehen. Sie stammt ursprünglich aus dem Orient und wird seit mindestens 5 Jahrhunderten in japanischen Gärten im Zusammenhang mit Reisfeldern kultiviert. Im Westen sind sie erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt. Sie bevorzugen einen sauren Boden und brauchen in den Sommermonaten Feuchtigkeit, haben aber keine Probleme damit, wenn es im Winter trockener ist. 

Auf den ersten Blick sehen die Pflanzen der Iris sibirica recht ähnlich. Während die Blüten der Sibirischen Schwertlilie eher schlank und aufrecht sind, sind die der Japanischen Sumpfschwertlilie eher waagerecht in der Silhouette und breiten ihre Arme weit aus.

Es ist unmöglich, sie alle zu erwähnen – ich würde eher ein Buch schreiben, als nur einen Blog. Die Sternchen verweisen auf frühere Artikel, in denen Sie diese faszinierende Gattung ein wenig mehr erkunden können. Für ernsthafte Enthusiasten gibt es echte Sammlerstücke, wie z. B. die Juno-Iris, die sehr schön, aber sehr schwierig zu kultivieren sind. Viele der Arten benötigen eine so trockene Ruhephase im Sommer, dass sie unter Glas gezogen werden, um den Regen abzuhalten und die Wirkung der nordeuropäischen Sonne zu maximieren. Aber unabhängig von ihren Wachstumsanforderungen und davon, wie einfach oder schwierig sie zu kultivieren sind, haben sie alle eine ähnlich prächtige Blütenstruktur mit den charakteristischen drei, nach oben wachsenden Blütenblättern, die als Domblätter bekannt sind, und den drei Hangeblätter die nach unten zeigen. Sie können größer, breiter oder schmaler sein.  Sie werden alle Iris genannt, abgeleitet vom griechischen Wort für Regenbogen. Ihre riesige Farbpalette repräsentiert das sicherlich.

Iris pseudacorus © Isabelle Van Groeningen
Iris pseudacorus

Lesen Sie mehr:

*Winterblühende Schwertlilie – (Winter flowering Iris) 19. Januar 2020

**Über Iris ‘Katherine Hodgkin‘ und Alpine Häuser (About Iris ‘Katherine Hodgkin‘ and Alpine Houses) – 19. Januar 2019

***Bart-Iris – (Bearded Iris) 25. Mai 2019

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Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.