Stauden-Pfingstrosen

16. Mai 2021 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Frühling, Pflanzen, Übers Gärtnern | Schlagwörter: , |

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Pfingstrosen - Paeonia 'Bowl of Beauty' © Isabelle Van Groeningen

– read the English text – Eines der Hauptsymbole des Frühsommers ist die Pfingstrose. Seit Wochen beobachte ich das attraktive Blattwerk, wenn die Pflanzen im Frühjahr langsam austreiben. Die neuen Triebe und Blätter zeigen viele Schattierungen von Kupfer, Bronze und Rot. Dieses junge Laub passt wunderbar zu Tulpen. Sie sollten schon jetzt darauf achten, welche Tulpen Sie im Herbst in ihrer Nähe pflanzen, denn das wird im Frühjahr die Blicke auf dieses schöne Merkmal lenken. Das dunkelrote Laub passt gut zu Tulipa praestans ‘Fusilier’, gefolgt von ‘Lasting Love’ oder ‘Pieter de Leur’, während einige eher kupferbronzefarben sind und gut zu Tulipa praestans ‘Shogun’ oder ‘Orange Emperor’ passen, gefolgt von ‘Ballerina’ oder der milderen ‘Cairo’.

Pfingstrosen - Paeonia -© Isabelle Van Groeningen

Das prächtige Laub im Frühjahr und die Herbstfärbung, die viele Arten zeigen, entschädigen für die kurze Blütezeit. Vor allem die Arten, die im Inneren dunkelblau und schwarz unter einer roten Hülle sind, produzieren gerne Samen. Die oft üppigen, großen Blüten sind ein echter Blickfang, und besonders die gefüllten Sorten eignen sich oft hervorragend als Schnittblumen und tragen einen wunderbaren Duft. Sie sind sehr langlebig und blühen jahrzehntelang ohne Störung. Ich habe sie in alten verwilderten Gärten gefunden, wo sie trotz Vernachlässigung immer noch blühen. 

Inzwischen sind die meisten Pflanzen groß genug, um Anzeichen von Blütenknospen zu zeigen, während die ersten Arten von Pfingstrosen zu blühen begonnen haben.

Für den ungeduldigen Gärtner lohnt es sich, die Spezies-Pfingstrose zu erforschen, da einige von ihnen besonders früh blühen und alle einen reizvollen, zarten Charme haben, den man bei den Hybriden nur selten findet. Unter den Hybriden gibt es einige früh-, mittel- und spätblühende Sorten, die Ihnen bei sorgfältiger Auswahl viele Wochen Freude, von Mai bis in den späten Juni hinein, bereiten werden.

Spezies Pfingstrosen

Paeonia tenuifolia (Netzblatt Pfingstrose)

Paeonia tenuifolia & Paeonia tenuifolia austr.

Sie ist die erste, die in der Gartenakademie ihre runden Knospen öffnet. Diese Art ist den Gärtnern seit über 400 Jahren bekannt und stammt ursprünglich aus dem Kaukasus.  Diese trockenheitstolerante Pfingstrose ist eine der wenigen, die sich langsam über unterirdische Knollen ausbreitet. Relativ kleine, leuchtend rote Blüten sitzen auf fein gefiedertem, hellgrünem Laub, das bis zu ca. 30 cm hoch wird. Die austreibenden Triebe sind äußerst attraktiv kupferrot. Eine gefüllte Form P. tenuifolia ‘Plena’, die über einen längeren Zeitraum blüht, wird gelegentlich zum Verkauf angeboten.

Paeonia mlokosewitschii (Kaukasus Pfingstrose)

Mein absoluter Favorit, der gerade in unserem Beet zu blühen beginnt. Sie stammt aus dem Kaukasus und ist unglaublich schön, aber wenig bekannt. Wegen ihres Namens? Die Blüten öffnen sich in einer attraktiven Becherform und sind meist zart, fast transluzent blassgelb. Gelegentlich kommen aber auch rosa blühende Formen vor. In jedem Fall ergänzen die zarten Farben perfekt das attraktive Laub. Wenn die Pflanze im zeitigen Frühjahr erscheint, hat sie hübsche rote Triebe, die sich bald entfalten und einen attraktiven rötlichen Farbton entwickeln. Im Herbst ziehen die Samenkapseln noch einmal die Aufmerksamkeit auf sich, mit den farbenfrohen Hüllblättern und den leuchtend roten Samen, die im Inneren der Samenkapseln stecken. Die Pflanze erreicht eine Höhe von 50-60 cm.

Paeonia officinalis (Bauernpfingstrose)

Die klassische Bauerngarten-Pfingstrose ist seit vielen Jahrhunderten ein Teil unserer Gärten. Es gibt verschiedene Formen und Farben auf dem Markt, aber die Art hat einzelne tiefrote Blüten. Eine beliebte Form ist die gefüllte P. officinalis ‘Flore-Pleno’. Diese Pflanze ist bemerkenswert langlebig. Sie erreichen eine Höhe von 50-60 cm.

Paeonia lactiflora (Chinesische Pfingstrose)

Pfingstrosen - Paeonia lactiflora © Isabelle Van Groeningen
Paeonia lactiflora

Die Mutter der meisten Gartenhybriden. Diese große (70-90cm) Blume kommt in Nordchina bis nach Sibirien und westlich von Tibet bis nach Zentralasien vor. Die Einzelblüten mit einem dicken Bündel goldgelber Staubgefäße variieren von Weiß- bis zu Rosatönen und erscheinen im Juni.

Hybriden

Da Pfingstrosen schon immer so begehrt waren, gibt es weltweit eine lange Geschichte der Hybridisierung. In Europa gibt es mehrere alteingesessene Gärtnereien, die zahlreiche neue Kultivare hervorgebracht haben. In Frankreich ist Pivoines Rivière seit 1849 aktiv, in Großbritannien wurde Kelways 1851 gegründet, in Deutschland war es die Gräfin von Zeppelin, die 1926 begann. Obwohl ständig neue Sorten hinzukommen, sind es einige der alten Klassiker, die am meisten gefallen. 

Früher habe ich die einblütigen Sorten bevorzugt, die den Wildtypen sehr ähnlich sind. Ich dachte immer, die großen, gefüllten, blühenden Typen seien eher veraltet und würden nur von älteren Damen bewundert. Heutzutage ertappe ich mich dabei, wie ich einige dieser großen, gefüllten Sorten anschaue und denke, wie schön sie sind! Das sagt etwas über mein Alter aus, fürchte ich. Hier ist eine kleine Auswahl:

Weiße und cremefarbene Singles:

‘Jan Van Leeuwen’ mit steifem, aufrechtem Wuchs, dunkelgrünem Laub, zarter Herbstfärbung, offener, weißer Einzelblüte und einem riesigem Bündel an Staubgefäßen. Diese Sorte war schon immer ein fester Favorit, da sie gut steht und nicht gestützt werden muss, obwohl sie recht hoch ist. Ähnlich sind ‘Claire de Lune’ mit cremefarbenen Blüten und ‘Crinkled White’ mit reinweißen, leicht gewellten Rändern ideal für Puristen.  Für windige Standorte sollten Sie ‘Shorty’ ausprobieren, die nur 50 cm hoch wird. Der Vorteil dieser Einzelblüten ist, dass sie weniger zum Umfallen neigen. Je mehr die Blüte gefüllt ist, desto schwerer wird sie und desto mehr Wasser kann sich zwischen den Blütenblättern sammeln. All dieses Gewicht bedeutet, dass die Stiele oft Schwierigkeiten haben, den Blütenkopf zu tragen, besonders bei nassem, windigem Wetter. 

Rosa und rote Singles

Pfingstrosen - Paeonia 'L'Etincellante' laub © Isabelle Van Groeningen
Paeonia ‘L’Etincellante’ laub

Mai Fleuri’ ist, wie der Name schon sagt, eine sehr frühe Hybride mit blasslachsfarbenen Blütenblättern, die etwa 80 cm hoch wird.  ‘Dancing Butterflies’ ist passend benannt mit tiefrosa, flach geöffneten, schmeichelnden Blütenblättern und einem bescheidenen gelben Bündel aus Staubgefäßen, während ‘Holbein’ eine eher schalenförmige Blüte hat. ‘Flame’ ist 90cm hoch und blüht in einem warmen Lachsrosa, während die besonders hohe ‘Scarlet O’hara’ (bis 1,10m) rot ist und mit zunehmender Reife zu tiefem Rosa verblasst.

Halbgefüllte Päonien

Pfingstrosen - Paeonia 'Bowl of Beauty' © Isabelle Van Groeningen
Paeonia ‘Bowl of Beauty’

‘Bowl of Beauty’ ist eine beliebte rosafarbene Hybride mit einer Reihe rosafarbener Blütenblätter, die einen Flaum aus cremefarbenen Staubgefäßen umschließen.  ‘Lemon Chiffon’ hat eine ungewöhnliche, blass-zitronengelbe Farbe, die man bei den Staudenpfingstrosen selten findet. ‘Paula Fay’ hat eine schöne, offene Blüte mit klaren, warmrosa, flauschigen Blütenblättern. ‘Bunker Hill’ ist besonders spät, mit duftenden, stark rosa, halbgefüllten Blüten.

Gefüllte Pfingstrosen

Weiß und Creme

Diejenige, die mich bekehrt hat, war ‘Duchesse de Nemours’ mit ihren großen weißen Blüten, die mit einem großen Schwung fluffiger Schlagsahne gefüllt zu sein scheinen. Sie sind wunderbare Schnittblumen und duften herrlich. Sie profitieren von einem einfachen Stutzen, um ihre schweren Köpfe aufrecht zu halten. Kelways Glorious’ ist eine weitere alte, weiße Sorte mit köstlichem Rosenduft, und ebenso herrlich ist die frühe weiße, duftende ‘Shirley Temple’.

Rosa und rote Farbtöne

‘Bella Rosa’ und ‘Lady Alexandra Duff’ haben zartrosa, duftende Blüten, 90cm hoch;

‘Sarah Bernhardt’ eine besonders hohes (1,10m) in duftendem, zartem Rosa, etwas dunkler ist ‘Monsieur Jules Elie’ eine frühe, 1m hohe duftende, rosa Blüte. ‘Kansas’ und ‘Karl Rosenfeld’ sind tief rosa, 1m und 90cm hoch. ‘Inspecteur Lavergne’ ist eine klassische späte, dramatisch tief dunkelrote Sorte mit 90cm hohen Stielen.

Die Intersektionellen und Itoh-Hybriden

Dem Japaner Toichi Itoh gelang es in den 1950er Jahren, eine krautige Pfingstrose (P. lactiflora) mit der strauchigen P. lutea zu kreuzen. Die aus diesen Kreuzungen hervorgegangenen Sorten sind als Itoh-Päonien bekannt. Die Sorten, die seitdem von anderen Pflanzenzüchtern gezüchtet wurden, werden gewöhnlich als intersektionelle Hybriden bezeichnet.

Diese F1-Hybriden neigen dazu, robuster und wüchsiger als ihre Eltern zu sein und haben einen kompakteren Wuchs. Sie wachsen zu einer strauchartigen Pflanze heran, die im Winter teilweise zurückstirbt. Sie brauchen mehrere Jahre, um zur Blüte zu gelangen und sind immer noch relativ teuer, da die Nachfrage hoch und das Angebot gering ist, aber sie sind die Investition und das Warten auf jeden Fall wert.

Paeonia ‘Bartzella’ & Paeonia ‘Scarlet Heaven’

Es gibt sie in einer Vielzahl von Farben, und oft haben sie ein äußerst attraktives Laub im Frühjahr, wenn die Blätter austreiben. Die blassgelb blühende ‘Bratzella’ hat schöne bronze-rote Blätter, während die dramatisch rot gefärbte ‘Scarlet Heaven’ ein glänzendes bronze-braunes neues Laub hat. Sie sind auch recht anspruchslos, was den Standort angeht – meine hat sich zu einem hübschen, kleinen Strauch entwickelt, der gut blüht, obwohl sie auf ärmsten Böden im Halbschatten wächst.

Pflanzung und Pflege von Pfingstrosen

Wenn Sie keinen großen Garten haben, mit Bereichen, die Sie zu bestimmten Zeiten des Jahres ignorieren können, ist es am besten, sie mit anderen, später blühenden Stauden und Gräsern einzubinden. Ich platziere sie gerne in der zweiten oder sogar dritten Reihe eines Beetes, da sie zu einer Jahreszeit blühen, in der die benachbarten Stauden noch nicht ihre volle Höhe erreicht haben. Phloxe, Astern und späte Gräser können dann die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und den Raum ausfüllen.

Pfingstrosen sind im Allgemeinen problemlose Gartenpflanzen. Sie mögen einen tiefen, fruchtbaren Boden, in dem ihre dicken, fleischigen Wurzeln auf der Suche nach Wasser tief reichen können. Achten Sie darauf, Kompost oder gut verrotteten Dünger hinzuzufügen, wenn Sie auf nährstoffarmen Sandböden gärtnern. Solange die Pflanzen glücklich aussehen und gut blühen, besteht keine Notwendigkeit, sie anzuheben oder zu teilen. Sollten Sie sie doch ausgraben, ist der Frühherbst der beste Zeitpunkt. Dann haben sie noch genügend Wärme im Boden, um sich einzuleben, bevor der Winter kommt. Pflanzen Sie sie mit reichlich Kompost oder gut verrottetem Stallmist ein und achten Sie darauf, dass die Pflanze in der gleichen Tiefe wie vorher in den Boden gesetzt wird. Zu tief gepflanzt kann ein Grund sein, warum sie nicht blühen.

Das Fehlen von Blüten kann durch Pilzprobleme verursacht werden. Ein deutliches Zeichen dafür ist, wenn Sie kleine Blütenknospen bemerken, die sich nicht entwickeln. Wenn dies der Fall ist, streuen Sie im Winter einen Kragen aus Splitt um die Basis der Pflanze, so dass der im Boden befindliche Pilz nicht auf die neuen Triebe spritzen kann, wenn diese heranwachsen.

Halten Sie in den nächsten Wochen Ausschau nach ihnen und stecken Sie Ihre Nase hinein, um zu sehen, welche am besten riechen!

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Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.