Viburnum: ein Muss für jeden Garten, für jede Jahreszeit

24. Mai 2021 von Isabelle Van Groeningen
Kategorien: Pflanze im Spotlight, Pflanzen | Schlagwörter: , |

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Viburnum plicatum 'Kilimanjaro' © Isabelle Van Groeningen

– Read in English – Endlich wird es langsam richtig Frühling. In diesem Jahr ist er aufgrund der niedrigen Temperaturen ungewöhnlich langsam in Gang gekommen. Doch die drei Tage warmen Wetters haben die Vegetation endlich zum Wachsen gebracht. In den Beeten sind die Stauden in die Höhe geschossen, Bäume und Sträucher wachen auf und wohin man auch schaut, sieht man Blatt- und Blütenknospen, die kurz vor dem Öffnen stehen. Der frühblühende, immergrüne Strauch Pieris hat dieses Jahr eine bemerkenswert lange Saison. Die elegant präsentierten, kleinen, glockenförmigen Blüten sind fast vorbei, und jetzt sieht man ihre bunten neuen Blatttriebe. Die Zieräpfel sind endlich aufgeblüht. Unser Malus ‘Evereste’ ist drei bis vier Wochen später dran als sonst. Auch die Rhododendren kommen in die Blüte. Die früheren großen Hybriden wie die reinweiße ‘Cunningham’s White’ sehen jetzt schon prächtig aus, während viele andere noch fest in der Knospe sitzen und auf ihren Auftritt, später in diesem Monat, warten. Und der Viburnum ist in Lauerstellung.

Viburnum © Isabelle Van Groeningen

Vielfältigkeit der Gattung Viburnum

Viburnums bereiten sich auf ihren großen Moment auf der Blütebühne vor. Sie enthalten einige unserer attraktivsten und wertvollsten Gartensträucher, die fast das ganze Jahr über für Farbe, Struktur und Duft sorgen können. Von allen Pflanzengattungen ist sie zusammen mit Hartriegel, Hortensien und Rhododendren sicher eine der vielfältigsten und wertvollsten Pflanzengruppen für unseren Gärten. Von den über 200 verschiedenen Arten sind über 80 im Handel zu kaufen, ganz zu schweigen von den vielen Sorten. Sie sind so vielfältig, von ausgeprägtem Habitus und Charakter, unterschiedlichen Blütezeiten und verschiedenen Blütentypen, dass es mich nicht wundern würde, wenn Botaniker beschließen würden, sie in verschiedene, neue Gattungen aufzuteilen. Es gibt mehrere immergrüne und halb-immergrüne Arten, von denen allerdings einige in strengen Wintern Frostschäden erleiden können.

Verschiedene Arten von Blüten

Die Blüten sind meist weiß, manchmal auch rosa getönt. Einige haben eine perfekte runde Kugelform, die an eine klassische Bauern-Hortensie erinnert. Andere sehen eher wie Tellerhortensien aus, mit einem Mittelpunkt aus kleinen, unscheinbaren, fruchtbaren Blüten, umgeben von einem Kragen aus abgerundeten dekorativen Blütenblättern, die flach und wie ein Teller geformt sind. Andere bestehen aus Büscheln kleiner, eher röhrenförmiger Blüten. Viele duften intensiv und köstlich.

Attraktive Viburnum-Früchte

Zahlreiche Arten und Sorten tragen im Herbst attraktiven Beerenschmuck. Ihre Farbpalette reicht von leuchtend roten oder gelben Beeren (Viburunum opulus) über rosa (V. nudum) oder glänzend schwarzen (V. tinus) bis leuchtend blauen (Viburnum davidii) Früchten. In den meisten Fällen produzieren sie eine bessere Beerenernte, wenn Sie mehrere zusammen pflanzen, da sie von der Kreuzbestäubung profitieren. V. davidii ist zweihäusig, d.h. die Pflanzen tragen entweder männliche oder weibliche Blüten, wie bei der Gemeinen Stechpalme. Man braucht mindestens eine männliche Pflanze, damit die weiblichen Blüten bestäubt werden und Samen bilden können.

Immergrüne Viburnum-Arten und Herbstfärbung

Die meisten der laubabwerfenden Sorten haben eine wertvolle Herbstfärbung, die von Gelb- und Orangetönen bis hin zu Dunkelrot reicht. Die Intensität hängt davon ab, wie viel Sonne die Pflanze abbekommt. Es gibt eine Reihe von interessanten immergrünen Arten, obwohl einige weniger winterhart sind als andere. Viburnum rhytidophyllum ist robust und hat interessant strukturiertes Laub, das kupferbraun gefärbt ist. Ihre hängende Wuchsform gibt ihr, finde ich, ein insgesamt trauriges Aussehen. Am attraktivsten finde ich sie, wenn mehrstämmige Exemplare zu einer Wolkenform freigeschnitten werden.

Viburnum tinus (Lorbeer Schneeball) ist ein dichter, dunkelgrüner, frühblühender Strauch, der auch zu einer Hecke geschnitten werden kann. Seien Sie vorsichtig, da sie in strengen Wintern leiden können. Mit einer Höhe von 60-70 cm ist V. davidii  (Immergrüner Kissenschneeball) eine nützliche, niedrig wachsende Pflanze, die sich gut für die Einfassung von Wegen und Sträuchern eignet, mit schönem, strukturiertem Laub. Aus roten Knospen entwickeln sich in der frühen Saison weiße Blüten und an weiblichen Pflanzen attraktive metallisch-blaue Früchte. V. x hillieri ‘Winton’ hat interessante rote Blattstiele, einen Schwarm kleiner weißer Blüten und Früchte, die rot bis schwarz werden. Sie wird etwa 2 m hoch.

Viburnum x hillieri © Isabelle Van Groeningen
Viburnum x hillieri

Eine hervorragende Herbstfärbung, kombiniert mit attraktiven Beeren, die sich von Rosa über Blau bis Schwarz färben, findet man bei der nordamerikanischen Art V. nudum (Amerikaniscer Schneeball). Mit einer ähnlichen Größe wie die oben genannte Art ist sie ein wertvoller Strauch, besonders für etwas feuchteren Schatten auf sauren Böden. Zwei interessante Züchtungen sind V. nudum ‘Pink Beauty’ mit rosa Blüten und die weißblühende ‘Brandy Wine’.

Viburnum 'Eskimo' © Isabelle Van Groeningen
Viburnum ‘Eskimo’

Die preisgekrönte Hybride ‘Eskimo’ hat große, weiße, runde Köpfe mit kleinen, duftenden Blüten, die im Mai ein spektakuläres Schauspiel bieten.  Sie ist halb-immergrün und kann je nach Winterklima bis zu 2 mal 2 Meter groß werden.

Frühblühender Schneeball

Einer der wertvollsten winterblühenden Sträucher ist Viburnum x bodnantense (Winterschneeball). Am weitesten verbreitet sind die Sorten ‘Dawn’ und ‘Charles Lamont’ mit kleinen Büscheln von stark duftenden Röhrenblüten. Erstere hat rosa Knospen, die sich zu fast weißen Blüten öffnen, während ‘Charles Lamont’ dunkler blüht und wüchsiger ist und eine Höhe von 3 Metern oder mehr erreicht. Alle haben eine aufrechte Wuchsform, und schicken von der Basis aus kräftige Triebe nach oben. Im Laufe der Jahre beginnen sie sich zu wölben. Ich finde diesen Wuchs sehr praktisch, da man zahlreiche andere schattenliebende Pflanzen darunter pflanzen kann. Die Blütezeit liegt zwischen November und Anfang April, wobei die erste Blüte möglicherweise durch den Frost verloren geht, aber eine zweite Blüte erhalten bleibt, die sich dann, gegen Ende des Winters, öffnet. In milden Wintern blühen sie ununterbrochen.

Im zeitigen Frühjahr blüht Viburnum carlesii (Koreanischer Duft-Schneeball) mit seinen Kissen aus stark duftenden, fast weißen Blüten. Diese Art kann drei bis vier Meter hoch werden, ist aber langsam wachsend. Die Sorte ‘Aurora’ ist jedoch robuster und wächst bis zu 1,5-1,8 Meter hoch, wobei die Knospen eine schöne dunkelrote Farbe haben. Kreuzungen wie Viburnum x burkwoodii (Oster-Schneeball) und V. x carlcephalum (Großer Duftschneeball) haben zu leichteren, kräftigeren Pflanzen geführt, die etwa 2 Meter erreichen, aber weniger stark duftende Blüten und einen lockeren Wuchs haben. V. x burkwoodii ‘Anne Russel’ ist ein nützlicher, kompakter Kleinstrauch von etwa 1,5 Metern.  Sie alle haben eine lange Blütezeit bis in den Frühsommer hinein.

Besonders wertvolle frühsommer- bis sommerblühende Sträucher:

Viburnum opulus (Gewöhnlicher Schneeball)

Viburnum opulus frucht © Isabelle Van Groeningen
Viburnum opulus Frucht

Dieser Strauch hat ein großes Verbreitungsgebiet. Ausgeprägte Arten kommen in fast ganz Europa bis nach Asien, in Teilen Ostchinas und Japans sowie in Teilen der USA vor. In Europa ist es V. opulus ssp. opulus. Sie kann bis zu 6 m hoch werden, hat flache, tellerförmige Blüten und sehr dekorative, leuchtend rote Beeren, die bis weit in den Winter hinein halten, bevor sie von Vögeln gefressen werden. Mehrere Sorten eignen sich hervorragend als Gartenpflanzen: V. opulus ‘Compactum’ hat alle oben genannten Vorzüge, wird aber nur bis ca. 2 m hoch und breit, blüht üppig und trägt reichlich Früchte, ist also ideal für kleinere Gärten. V. opulus ‘Roseum’ produziert attraktive runde Blütenköpfe mit ausschließlich sterilen Blüten, die im Schnittblumenhandel sehr beliebt sind. Wir haben eine lange Liebesbeziehung zu dem Strauch: Schon seit dem 16. Jahrhundert wird er in unseren Gärten gepflanzt. V. opulus ‘Xanthocarpum’ ist der Wildart ähnlich, nur dass die Früchte gelb bleiben.

Viburnum plicatum (Japanischer Schneeball)

Viburnum plicatum 'Watanabe' © Isabelle Van Groeningen
Viburnum plicatum ‘Watanabe’

Dieser sehr dekorative Strauch ist in China, Japan, Korea und Taiwan beheimatet. Wie V. opulus hat er die sehr dekorativen Tellerhortensien-ähnliche Blüten, bei denen die fruchtbaren, unscheinbaren Blüten von einem Kragen aus “hübschen” Blütenblättern umgeben sind, die dazu dienen, Insekten anzulocken. Im Herbst entwickeln sich ihre Früchte von Rot, über Blau bis fast Schwarz. Diese werden als Viburnum plicatum ssp. tomentosum klassifiziert. 

Viburnum plicatum 'Rotundifolium' © Isabelle Van Groeningen
Viburnum plicatum ‘Rotundifolium’

Wie bei den oben genannten Arten gibt es auch einige Selektionen mit rein sterilen Blüten, die runde, kugelförmige Blütenköpfe bilden wie eine Bauernhortensie. Diese werden als Viburnum plicatum ssp. plicatum klassifiziert. ‘Grandiflorum’ kann bis zu 3 Meter hoch werden. Es gibt auch ‘Newport’, ‘Sterilum’ und ‘Rotundifolium’ mit ähnlichen Blüten. ‘Popcorn’ ist ein großer Favorit, da sie sehr blühfreudig ist und den 2,5 m hohen und breiten Strauch fast vollständig mit weißen, runden Blüten bedeckt. Diese Selektion soll besonders trockenheitstolerant sein.

Am bekanntesten und ein absoluter Garten-Klassiker in der Sorte V. plicatum ssp. tomentosum ist die imposante ‘Mariesii’, die waagrechte Äste bildet, die im Frühsommer von Reihen weißer Tellerblüten gekrönt werden. Die Wirkung ist einfach faszinierend. Dies ist definitiv mein absoluter Lieblingsstrauch, da er einen sehr eleganten, beeindruckenden Wuchs hat, aber nur, wenn Sie genügend Platz für ihn haben, damit er seinen natürlichen Wuchs entwickeln kann, ohne von Nachbarn behindert zu werden. Er wurde 1879 aus Japan eingeführt. Ich habe einmal ein sehr altes Exemplar in einem Garten in den Cotswolds gesehen, das fast 4 m hoch und wahrscheinlich 5-6 m breit war. Er war sehr beeindruckend, aber er war bereits am Ende seines Lebens und beim nächsten Besuch verschwunden. Etwas kompakter, aber mindestens genauso schön ist ‘Rowallane’. Aus ihr ist eine weitere wertvolle Sorte ‘Dart’s Red Robin’ hervorgegangen, die besonders reich fruchtet. Einige haben eine besonders lange Blütezeit, die bis weit in den Sommer hinein anhält: ‘Summer Snowflake’, ‘Watanabe’ und ‘Kilimanjaro’. Sie sind auch kompakter im Wuchs und eignen sich daher für kleinere Gärten. Sie haben zwar die waagerecht ausladenden Zweige, aber sie reichen nicht so weit aus und sind daher nicht ganz so elegant. Eine weitere Sorte ist ‘Pink Beauty’, deren weiße Blüten zu Rosa verblassen. ‘Molly Schroeder’ hat während der gesamten Blütezeit einen zarten Rosaton und blüht ebenfalls bis in den Spätsommer hinein. Beide werden nur etwa 2-2,5 Meter hoch und etwa 2 Meter breit.

Andere tellerblütige Arten sind V. sargentii ‘Onondago’, die ein attraktives, rötlich-bronzefarbenes Laub hat und ein sehr überschaubarer, ca. 2 Meter hoher Gartenstrauch wird.

Pflege

Schneebälle sind im Großen und Ganzen einfach zu pflegende Gehölze. Sie sind nicht wählerisch, was die Art des Bodens betrifft, in dem sie wachsen. Die meisten bevorzugen einen leicht alkalischen Boden, kommen aber auch mit einem niedrigeren pH-Wert gut zurecht und wachsen am liebsten in der Sonne oder im Halbschatten. Sie fühlen sich am wohlsten, wenn sie mit einer guten Portion Kompost oder Laubmulch gepflanzt werden, die hilft, die Feuchtigkeit im Boden zu halten, aber sie mögen keine nassen Füße. In Perioden übermäßiger Trockenheit ist es ratsam, sie im Auge zu behalten, sie brauchen vielleicht gelegentlich Wasser. Vor allem, wenn die Pflanzen noch relativ jung sind. Sie brauchen keinen Rückschnitt und sind am schönsten, wenn man sie ihre natürliche, schöne Form entwickeln lässt.

Viburnum plicatum 'Dart's red Robin' © Isabelle Van Groeningen
Viburnum plicatum ‘Dart’s red Robin’

Es ist nicht leicht, eine Sorte auszuwählen. Idealerweise würde ich sie alle gerne pflanzen, aber dafür bräuchte ich ein Arboretum.  Ein Viburnum x bodantense ‘Dawn’ ist für den Winter unverzichtbar, gefolgt von einem der Frühblüher wie Viburnum carlesii ‘Aurora’. Ohne eine der schönen, horizontal wachsenden Tellerblütigen wie V. plicatum ssp. tomentosum ‘Rowallane’ oder ‘Molly Schroeder’ und ‘Summer Snowflake’ kann ich nicht leben. Ich bin mir aber sicher, dass ich in meinem nächsten, größeren Garten Platz für eine oder zwei der sterilen Formen, wie z.B. ‘Popcorn’, finden werde, auch wenn diese Formen keinen Beitrag zur Tierwelt leisten. Für die Herbstschau werde ich V. nudum ‘Pink Beauty’ mit ihrer herrlichen Herbstfarbe und den wunderbaren Beeren hinzufügen. Es muss kein Arboretum sein, aber es muss ein Garten sein, der groß genug ist, um all diesen Pflanzen ausreichend Platz zu bieten – ich fange besser jetzt schon an zu suchen …

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Über Isabelle Van Groeningen

Dr. Isabelle Van Groeningen – Zur Person Isabelle Van Groeningen ist eine international anerkannte Gartenhistorikerin, -designerin und –beraterin, die ihre langjährige Erfahrung in diesen Bereichen sowohl durch Vorlesungen und Vorträge als auch durch schriftliche Beiträge in der Fachliteratur weitergibt. 1983 übersiedelte sie von ihrem Geburtsland Belgien nach England, um Horticulture an den Royal Botanic Gardens Kew zu studieren. Nach erfolgreichem Abschluss mit dem „Kew Diploma in Horticulture“ fertigte sie ihre Doktorarbeit im Fach historische Garten- und Landschaftsrestaurierung an der York University an. Ihr besonderes Interesse gilt der Anordnung von Stauden im Garten, von der traditionellen englischen Staudenrabatte bis hin zur lockereren ökologisch-orientierten Pflanzweise, wie sie in Deutschland und den Niederlanden praktiziert wird. Gartendesign 1992 gründete Isabelle Van Groeningen zusammen mit Gabriella Pape die Firma Land Art Ltd., deren Projekte seit Anbeginn einen weiten Bereich abdecken und sich – je nach Auftraggeber und Situation – mit historischen ebenso wie modernen Gartenanlagen befassen. Im Jahre 2000 gewann Land Art Ltd. bei der Hampton Court Flower Show eine Goldmedaille und die „Best in show“-Auszeichnung für den bis dahin größten Schaugarten mit dem Titel „Go Organic“. Dazu kam 2007 die zweithöchste Auszeichnung, eine „Silver Gilt“–Medaille, bei der weltberühmten Chelsea Flower Show für einen im Auftrag des Daily Telegraph geschaffenen Schaugarten: ein von Karl Foersters Senkgarten in Bornim bei Potsdam inspirierter Garten. Isabelle Van Groeningen hat sich schon frühzeitig dem biologischen Gärtnern verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, umweltfreundliche Gärten schaffen. Dabei ist zum Beispiel der sparsame Umgang mit Wasser ein wichtiger Faktor sowohl bei der Gesamtgestaltung des Gartens als auch bei der Auswahl der Pflanzen.